Die Schwarze seufzte tief auf.

Erzähle du nun, flüsterten die anderen. Aber es lag nicht das Oberflächliche klatschsüchtiger Neugierde darin, sondern der Durst, aus den Bechern der Geschicke das Leben zu ergründen.

Die Schwarze seufzte nochmals mit den Augen nach dem Spiegel hinüber —: Ihr könnt es euch nun nicht vorstellen, aber ich war schön, verehrt, angebetet.

Eine Sirene, eine Sphinx nannten mich zitternde Männerlippen in scheuer Verehrung. Und ich war stolz! Aber glücklich! nein! ich war es nie. Immer lag noch etwas in mir, was ans Licht kommen wollte. Ein Ewig-Ungeborenes sehnte am Grunde meiner Seele. Ich will euch alles gestehen, sagte sie leidenschaftlich. Verurteilt mich, aber sagen muß ich es. Seht, einstmals lebte ich wie ein Pfau. Nein, es ist häßlich, dies so zu schildern.

Ich empfand es anders. Ich war ganz trunken von Leben, Jugend, Schönheit. Ich berauschte mich an dem, was Spiegel und Männer sagten. Alle Menschen sah ich mühend um Macht und Ansehen, und ich kam und siegte. Das war wie zu stark betäubender Blumenduft — man taumelte lächelnd dahin. Zwar manchmal fühlte ich etwas in mir, als gäb es Welten von Innerlichkeit darin, die unberührt dastanden, wie das Schweigen mächtiger Urwälder. Aber dorthin kam meine leichte Seele nie. Sie fürchtete Dunkel und Gefahr.

Jetzt aber sehe ich es, ich vergeudete mein Leben. Von allem Herrlichen hab’ ich nichts genossen. Als meine Seele noch vibrieren konnte, war ich nichts als der Götze für fremde Verehrung. Was habe ich davon? Nein, nie war ich glücklich!

Die Dichterin, die bisher von allen ungesehen im Dunkel saß, sprach mild: verurteile dich nicht! Auch das war Leben! Und auch du hast dein Teil dem Ganzen gegeben. Denn wenn du auch selbst scheinbar nichts gethan noch gewollt, so hast du die Träume der Schaffenden befruchtet. Und auch dein Leben ist gesegnet.

Nun war die Blonde an der Reihe. Sie sprach ganz schüchtern: Ihr Lieben, von meinem Leben ist wenig zu berichten. Wenn ich nicht euren gütigen Ernst sehe, so müßte ich schweigen, so uninteressant ist es. Seht ihr, es giebt Blumen, die blühen jeden Frühling. Und manche, die gar nicht aufhören zu blühen. Ich kann es gar nicht fassen, aber es ist so.

Doch giebt es eine Pflanze, die blüht nur einmal und siecht dann hin — seht ihr! So eine Liebesblume wie die Aloe war ich. Mein zages und vielleicht stolzes Herz schoß nur einmal zur Liebesblume empor. Einen hab’ ich geliebt, hab’ ihm ein Kind gegeben. Außer meinem Gatten habe ich nichts gewünscht, geliebt, geträumt. Nun ist er tot. Da fühle auch ich mich sterben.

Die Dichterin drückte ihr die Hand. Du Allzureiche, Vielverschweigende, sprach sie. Nur der Durstige weiß beredt des Trankes Erquickung zu schildern.