[693] Vgl. Friedeberg (Prot. int. Kongr. Amsterdam 04, p. 26); ähnl. Pouget, "Die Gewerkschaft", p. 18. Vgl. bezgl. der französ. Landarbeiterorganisationen P. Groß, "Die Weinkrise und die Landarbeitergewerkschaften im Languedoc".

[694] Korrespondenzblatt der Generalkommission ... usw. (Citate in der Allg. Ztg. 19./4. 02, und in der Soz. Praxis XV. Nr. 2, Sp. 38); Leimpeters (Prot. Gwft. Kongr. Köln 05); ders. "Die sozialdemokratische Partei u. d. Gewerkschaften". — Hue, p. 292; Bernstein, "Pol. Massenstreik u. pol. Lage", p. 10.

[695] Auf der 3. internationalen Konferenz der Sekretäre der Landesgewerkschaftsorganisationen am 9. und 10. Juli 03 in Dublin schlugen die französischen Gewerkschaftsvertreter vor, den andern Ländern die Taktik und die Prinzipien der französischen Arbeitersyndikate zur Kenntnis zu bringen. Die deutsche Gewerkschaftspresse nahm von dem entsprechenden Bericht der Conféd. gén. du Travail keine Notiz, nur die anarchistische "Wahrheit" publizierte ihn (unter dem Titel "Antimilitarismus und Generalstreik" als Beilage zu Nr. 11).

[696] v. Elm, Prot. Gwft. Kongr. Köln 05, p. 226.

[697] Vgl. Bernstein, "Die Generalstreikgewerkschaft", p. 642; Bömelburg (Prot. Gwft. Kongr. Köln 05, p. 221); Rob. Schmidt (Prot. int. Kongr. Amsterdam 04, p. 27). Die Zustimmung zum pol. M.-str. wird leicht als Konzession an den Anarchismus aufgefaßt (vgl. die "Einigkeit" 1905, Nr. 41).

Umgekehrt wird durch die Schwäche der Gewerkschaft auch die Generalstreiktendenz gestärkt. Je weniger eine Gewerkschaft auf reale Erfolge, auf zahlenmäßige Machtbeweise hindeuten kann, um so eher wird sie auf ein so einfaches und unter Umständen auch zugkräftiges Propagandamittel verfallen, um so weniger riskiert sie bei dessen Gebrauch.[698]

[698] Die belgischen Gewerkschaften sollen sich seinerzeit um so bereitwilliger am Kl.-str. beteiligt haben, als sie nicht durch "übermäßig gefüllte Kassen in ihrer Bewegungsfreiheit gehemmt" gewesen seien (Kautsky, "Maifeier und Generalstreik"). Das vielgeschmähte Ruhebedürfnis der deutschen Gewerkschaften, womit sie in Köln ihre Ablehnung des Kl-streiks motivierten (vgl. Bömelburg, Prot. p. 221), ist ein Beweis dafür, daß sie bereits etwas zu verlieren haben (so Katz, "Der politische Massenstreik"). Über die Behandlung des Kl-str.-Problems vom rein finanziellen Standpunkt aus, über die gewerkschaftliche "Versumpfung", klagen z. B. v. Elm ("Rückblick auf den 5. deutschen Gewerkschaftskongreß", p. 568), Kautsky, ("Der Kongreß in Köln"), Geithner, ("Zur Taktik der Sozialdemokratie"), Lensch ("Die Idylle im Sumpf"); vgl. auch Braun, "Der Kölner Gewerkschaftskongreß". Die Annahme, die finanziellen Fortschritte der Gewerkschaften hätten die Generalstreikströmungen gestärkt (so Düwell, p. 248 ff.), ist also wohl zurückzuweisen.

Auch zwischen der gewerkschaftlichen Organisationsform und der Generalstreikpropaganda dürften Wechselwirkungen bestehen. Einerseits stärkt die Generalstreikidee das Gefühl der individuellen Selbstherrlichkeit. Sie vermag daher im hohem Grade die "Sonderbündelei"[699] zu fördern. Andererseits bietet die föderalistische Organisationsform den günstigsten Boden für die Generalstreikpropaganda, da aparte und extravagante Ideen in lokalen Gruppen (bourse du travail, camera di lavoro usw.) überhaupt leicht Eingang finden. In einer zentralistischen Organisation hingegen werden neu auftauchende Tendenzen erst durch mehrere Instanzen durchgesiebt, wobei der persönliche Nimbus der neuen Propheten erheblich abgeblendet und eine kritische Beurteilung unter Berücksichtigung der allgemeinen Verhältnisse[700] ermöglicht wird. Die Argumente "fortschrittshungriger Ungeduld"[701] verlieren um so mehr an Überzeugungskraft, je umfangreicher die Verbände sind, je weiter also der Blick, je größer das Verantwortlichkeitsgefühl ihrer Leiter.

[699] Vgl. Kautsky, "Der Bremer Parteitag", p. 8, 9.

[700] Vgl. Legien, Prot. Parteitg. Mannheim 06, p. 241 ff.