[708] v. Elm, "Massenstreik, Sozialdemokratie und Genossenschaftsbewegung", p. 735; ders. "Partei und Gewerkschaft".
[709] Vgl. Prot. Parteitg. Bremen 04, p. 195,196; Hue, "Partei und Gewerkschaft", p. 292; Olberg ("Der italienische Generalstreik") meint, der Gedanke sei "nicht so zart, daß er durch die Diskussion abgegriffen würde", und die Redner des Proletariats seien "nicht so dumm", ihre "Betriebsgeheimnisse" auszuplaudern. — Freilich können die Gegner aber in der bloßen Diskussion schon eine Drohung erblicken und mit entsprechenden Gegenmaßregeln antworten (vgl. Heine, Prot. Parteitg. Jena 05, p. 316).
[710] Heine, "Politischer Massenstreik im gegenwärtigen Deutschland?"
[711] Heine, a. a. O. p. 754. Kolb (Prot. Parteitg. Mannheim 06, p. 263, 264) fürchtet, die Arbeiter könnten sich in einem ungünstigen Moment zum Streik provozieren lassen.
2. Die Agitation betrachtet es nicht als ihre Aufgabe, das Thema zu klären oder die gewonnenen Einsichten zu verbreiten, sondern die Arbeiter nachdrücklich zum Handeln aufzufordern. Teils geschieht dies generell: durch die Anweisung, jede Gelegenheit zum Streik zu ergreifen und jeden Streik zum Klassenstreik zu erweitern (Praxis der Anarchisten); teils speziell: durch planmäßige Bearbeitung der Massen bei einem sich bietenden äußern Anlaß (wie in Schweden usw.), wobei es wesentlich darauf ankommt, der Bewegung ein geeignetes, nämlich ein bestimmtes, einheitliches und einleuchtendes Ziel zu geben.[712]
[712] Je mehr Ziele zugleich auftreten, um so wahrscheinlicher ein Scheitern der Bewegung. Durch eine Verkoppelung der Wahlrechtsforderung mit dem Achtstunden-Postulat suchten seinerzeit die österr. Sozialisten die Beteiligung der Bergwerksarbeiter am geplanten Wahlrechtsstreik zu sichern, gaben aber, mit Rücksicht auf die allzu verschiedene Entwickelung der einzelnen Industrien und auf die allzu verschiedenen Erfordernisse eines ökonomischen und eines politischen Streiks, den Gedanken wieder auf (vgl. Prot. Parteitg. Wien 1894, Krejci, p. 55; Hueber, p. 58; Reumann, p. 62). —
Jaurès ("Aus
Theorie und Praxis") warf den französischen Syndikalisten vor, daß sie die Arbeiter, die für so unbestimmte Forderungen, wie "Kommunismus", nicht in den Streik treten würden, durch vorgeschobene Augenblicksziele in einen Generalstreik verlocken und diesem dann eine revolutionäre Wendung geben möchten.
Eine gewisse künstliche Förderung kann der Streikentschluß übrigens auch durch die Gegner erfahren;[713] doch spielt dies keine große Rolle.
[713] So sollen beim Lancashire-Streik 1842 die Unternehmer die Hände im Spiel gehabt haben. Beim ital. Eisenbahnerstreik 1905 sollen die Eisenbahngesellschaften hinter der Szene die Streiktendenzen gefördert haben, um die Verstaatlichung zu hindern (vgl. Soz. Prx. 14. Jahrg. Nr. 30; "Die Hilfe", 1905, Nr. 16. p. 2, polit. Notiz).
Welchen unter den zahlreichen Faktoren kommt nun ausschlaggebende Bedeutung zu? Die Möglichkeit unvorbereiteter Ausbrüche, wie die Vergeblichkeit künstlicher Inszenierungsversuche beweisen, daß die eigentlichen Triebfedern auf den gegebenen Bedingungen, den allgemeinen Verhältnissen beruhen. Haben doch überhaupt die großen Streiks "mehr den Charakter von Naturereignissen, als von bestimmten menschlichen Handlungen", weniger den "eines gewollten Mittels zu bestimmtem Zwecke, als den der unmittelbar gewollten Demonstration".[714] Sind sie aber in erster Linie "von der Entwicklung der Verhältnisse"[715] abhängig, so läßt sich eine wirksame Förderung oder Hinderung des Streikentschlusses allein von einer Beeinflussung dieser Verhältnisse erwarten.
[714] "Sie entspringen den Stimmungen der Masse, zuweilen dem Druck der Not und Entbehrung, öfter dem allmählich angehäuften Unwillen, verletztem Ehrgefühl, sittlicher Entrüstung". (Tönnies, Über den Ruhrstreik 1905, "Freies Wort", IV, p. 894).