[759] Block a. a. O.; Zetkin (Prot. Parteitag Jena 05, p. 324); zur Defensive brauche das Proletariat über weniger Kräfte zu verfügen, als zur revolutionären Offensive.

[760] So meint z. B. Rob. Schmidt, (Prot. Parteitag Jena 05, p. 332), der Ruhrstreik sei nur deshalb ohne Blutvergießen abgelaufen, weil es damals der Regierung nicht des Einsatzes wert gewesen wäre; "aber es würde ihr des Einsatzes wert sein, wenn es sich um so vitale Interessen der bürgerlichen Klasse handelte, wie das Wahlrecht".

[761] "Da er den Herrschenden nicht so schrecklich, nicht als der letzte Schritt zur Revolution erscheinen wird" (Block; ähnl. Adler, Prot. Parteitag Wien 05, p. 128).

[762] Vgl. Bernstein, "Politischer Massenstreik und Revolutionsromantik". Z. B. in England sollen sich 1848 250 000 Bürger als Spezialkonstabler in den Dienst der Regierung gestellt haben (vgl. Bernstein, "Pol. M.-str. u. pol. Lage" p. 11).

[763] Vgl. Düwell, p. 248 ff.; Bernstein, "Ist der politische Streik in Deutschland möglich?" p. 33; Jaurès ("Aus Theorie und Praxis", p. 115 ff.) verweist darauf, daß die Bürgerschaft infolge der Schieß-, Turn-, Sport- und Militärübungen wohl im Stande sein würde, eine energische Aktion auszuüben.

[764] Vgl. Kautsky, "Allerhand Revolutionäres", p. 738; ders. "Zum Parteitag", p. 780; ders., "Lehren des Bergarbeiterstreiks", p. 781; Luxemburg (Vorwärts, 8./12. 05).

[765] Hilferding, "Parlamentarismus und Massenstreik", p. 814 ff., meint, in Deutschland z. B. müsse jeder Klassenstreik "zur Entscheidungsschlacht" führen, "denn die herrschenden Klassen Deutschlands vertragen infolge der Entwicklung der ökonomischen Verhältnisse keinen Sieg des Proletariats, und sei es in welcher Frage immer". Weil aber das Proletariat zum Entscheidungskampf noch nicht stark genug sei, so müsse in Deutschland jeder Massenstreik vermieden werden. (Gewiß erscheint die Ablehnung eines pol. M.-streiks für Deutschland durchaus gerechtfertigt; aber nicht deshalb, weil die "Herrschenden" daraus eine "Todesdrohung" hören würden, sondern weil ein pol. M.-str. gerade in Deutschland infolge der politischen und militärischen Verhältnisse ganz bes. aussichtslos sein würde). In Österreich hält Hilferding den Klassenstreik noch bei pol. Einzelforderungen für angebracht. Ähnl. Kautsky, "Der Bremer Parteitag" p. 9; Roland-Holst, "Zur Massenstreikdebatte". Block billigt die Hilferdingschen Ansichten über die Streikaussichten in Deutschland nur bezüglich des Pressionsstreiks. — Als Pendant zu den Hilferdingschen Ausführungen kann die in anderen Kreisen vertretene Ansicht gelten, daß "heutzutage jeder einzige Streik sozialdemokratisch organisierter Arbeiter ein politischer Streik" sei, weswegen man dem Streikunwesen energisch entgegenwirken müsse (vgl. v. Reiswitz, p. 58).

[766] Roland-Holst, a. a. O. p. 686.

Je mehr Widerstand die Gegner leisten, um so mehr Ausharrungsvermögen ist auf Seite der Arbeiter erforderlich. Also ist ein defensiver, friedlicher Demonstrationsstreik für Teilziele, von mäßigem Umfang und kurzer Dauer am relativ leichtesten,[767] der revolutionäre Pressionsstreik aber am schwersten durchführbar. Letzterer verlangt auf Seiten der Arbeiter ein so ungeheures Maß von Organisation, materiellen Mitteln, Disziplin, Opferwilligkeit und eine so ungeheure Beteiligung, oder er setzt auf Seiten der bürgerlichen Gesellschaft eine so schwache Regierung, eine so jämmerliche, zusammengeschrumpfte Bourgeoispartei, ein so vollkommen unzuverlässiges Heer voraus, daß er, sobald er möglich wäre, auch schon unnötig würde. Denn dann wären ja wirklich die Voraussetzungen des Sozialismus vorhanden, und es dürfte weder die einzige,[768] noch gerade die beste Art sein, das neue Arbeitssystem durch Proklamierung eines allgemeinen Ferienurlaubs einzuführen.[769]

[767] Vgl. z. B. Kautsky, "Allerhand Revolutionäres", p. 734, 735; Block; Adler (Prot. Parteitg. Wien 03, p. 131).