[789] Die notwendigste Arbeit ist keineswegs immer die komplizierteste; neue Arbeitskräfte lassen sich also oft unschwer anlernen.
[790] Um die seitens der "Reservearmee" drohende Minderung des Streikdrucks zu paralysieren, wird möglichste Steigerung der gewerkschaftlichen Organisation gefordert (vgl. Delory, Congrès général ... Paris 1899, p. 246 ff., vgl. auch v. Reiswitz, p. 32 ff.); übrigens kann dies event. durch den Bezug ausländischer Arbeitswilliger hinwiederum illusorisch gemacht werden (vgl. Penzig, p. 43).
[791] So fungierten die Soldaten als "Streikbrecher" beim Reisarbeiterstreik in Norditalien (vgl. Roland-Holst, "G-str. u. Sozd.", p. 38), beim Elektrizitätsarbeiterstreik in Paris (vgl. Kulemann, "Das Streikrecht in öffentlichen Betrieben"). 1903 verwendete man sie in Holland zur Aufrechterhaltung des Verkehrs (Roland-Holst, "Der Kampf und die Niederlage der Arbeiter in Holland").
[792] Man verwendet z. B. Eisenbahntruppen oder die Angehörigen der sog. Militärapprovisionierung (Eckstein, p. 359).
[793] Die Militarisation bringt den Arbeiter in einen wahrhaft tragischen Konflikt; es bleibt ihm nur die Wahl zwischen dem Vergehen der überdies meist aussichtslosen Meuterei (Eckstein, p. 360) und dem "Verrat" der eigenen Sache. — Eine Militarisation fand z. B. in Ungarn beim Eisenbahnerstreik statt.
[794] Eckstein, p. 359: der Kleinbetrieb werde diese Gelegenheit gern benutzen, durch Produktionsanspannung seine Existenz zu festigen.
[795] Elektrische und andere Werke hat man in Streikzeiten schon durch Ingenieure, Studenten, technisches Personal aufrechterhalten (vgl. Vliegen, "Der Generalstreik als politisches Kampfmittel", p. 197, 198; Roland-Holst, a. a. O.; Grosch).
Da die Arbeitsruhe unter den heutigen Verhältnissen nie eine vollkommene, sondern höchstens eine relativ-allgemeine sein wird,[796] so kann sie auch nur einen beschränkten Effekt ausüben, und es ist daher ein Erfolg des Streiks regelmäßig nur dann zu erwarten, wenn die Aktion der Arbeiter durch Unterstützung seitens anderer Klassen verstärkt wird.[797] Daß eine solche möglich ist, hat die praktische Erfahrung erwiesen.[798] Aber diese "so notwendige psychologische Unterstützung bei anderen Gesellschaftsklassen"[799] hängt nicht nur von einer vorhergehenden Bearbeitung der öffentlichen Meinung ab,[800] nicht nur davon, daß die Forderung von anderen Klassen begriffen oder gar geteilt wird,[801] sondern sehr wesentlich von den Eigenschaften des Streiks. Je stärker dieser das bürgerliche Leben beeinträchtigt, je länger und häufiger diese Beeinträchtigung auftritt, um so geringer wird die Unterstützung ausfallen: denn wo "die moralische Aufwallung mit dem Interesse kollidiert, da wird sie nie zu einer kräftigen Aktion führen".[802]
[796] Es werde immer noch ganze Gegenden geben, "in denen man mit voller Kraft arbeitet und sogar die Produktion erhöht ... In jeder Stadt ist die Produktion in gewissem Umfange im Gange zu erhalten" (Vliegen, a. a. O.).
[797] Daß das Proletariat allein noch nicht über die zum Streikerfolg erforderliche Macht verfügt, geben selbst Sozialisten zu, z. B. Heine (Prot. Parteitg. Jena 05, p. 315 ff.), Düwell, (p. 248 ff.), Adler (Prot. Parteitg. Wien 05, p. 126); Streltzow, p. 136, zieht aus der russischen Streikpraxis den Schluß, daß ein Kl-str. nur dann Erfolg habe, "wenn alle freiheitlichen Elemente mit ihm sympathisieren und ihn aktiv unterstützen."