[810] Friedeberg, "Parlamentarismus und Generalstreik", p. 28; ähnl. "Antimilitarismus und Generalstreik" (Beilage zu Nr. 11 der "Wahrheit"), p. 10.

[811] Tönnies. — Über den hohen sittlichen Mut der holländischen Arbeiter beim Streik 1903 vgl. Roland-Holst ("Der Kampf und die Niederlage der Arbeiter in Holland"), die freilich selbst der Partei angehört.

[812] Penzig, "Massenstreik und Ethik", p. 23 ff. — Die Absicht, durch den Klassenstreik das revolutionäre Gefühl, die sozialen Gegensätze zu verschärfen, ist ausgesprochen z. B. bei Sorel ("Lo sciopero generale"); "Generalstreik! Die deutsche Arbeiterbewegung und der Klassenkampf"; vgl. auch Kautsky, "Die Soziale Revolution", p. 51; Briand, a. a. O.

[813] Vgl. Tönnies. — Ein Streik, der einen Krieg hinderte, soll ebenfalls als moralisch gelten (Penzig, p. 26). — Comte hatte den allgemeinen Ausstand nur als Verteidigungsmittel erwähnt (vgl. Weill, p. 22, 23).

[814] Vgl. Penzig, p. 36 ff.

[815] Z. B. für Deutschland bedeute selbst der aussichtslose Versuch eines Kl.-Streiks "Grauen und Elend; ein Zurückdrängen unserer Kultur um Jahrhunderte" (Grosch, p. 15 ff.), "unermeßliches Unheil" (Tönnies, p. 531) und "nicht nur für die Sozialdemokratie, sondern für die ganze Zukunft Deutschlands eine kaum heilbare Wunde" (Cohnstaedt, "Jena. Gewerkschaft oder Revolution", p. 548, 549). Er würde "die ganze Zukunft des Reichs, seine wirtschaftliche Macht und seine Kultur in Frage stellen" (Mayer, "Der internationale Sozialistenkongreß").

[816] "Seine Verwerflichkeit wird um so schwerer ins Gewicht fallen, wenn der Schade, der davon ausgeht, auf diejenigen, die das Mittel anwenden, selber zurückfällt" (Tönnies). Auch die Massenstreik-Drohung, selbst zur Wahrung sittlicher Güter, wie des Wahlrechts (vgl. Tönnies), werde, wenn jede Aussicht auf Erfolg fehlt, prinzipiell von der Ethik mißbilligt. — Hingegen billigen manche Politiker, die prinzipiell einen defensiven Wahlrechtsstreik zur Unterstützung einer allgemeinen Volksbewegung begrüßen würden (vgl. v. Gerlach, "Maifeier und Massenstreik"; Cohnstaedt, a. a. O.; ders., "Generalstreik, Massenstreik und Sozialdemokratie", p. 749 ff.), aber aus praktischen Rücksichten "heute und für absehbare Zeit" seine Verwirklichung ablehnen (vgl. v. Gerlach, a. a. O.; Tönnies), doch die Kl-Str.-Drohung insofern, als sie gewisse Kreise "etwas bedächtiger, vorsichtiger, gewissenhafter in hohen politischen Angelegenheiten machen könne" (Tönnies).

Selbst auf einen siegreichen Klassenstreik wird eine um so empfindlichere Reaktion folgen, je weniger die Arbeiter mittels des Streiks eine Position errungen haben, durch die der "unvermeidliche reaktionäre Gegenschlag paralysiert werden kann",[817] und je mehr sie sich im Streik verausgabt haben, sodaß ihnen nun die "Ausnutzung und Festhaltung" des Erfolges unmöglich ist.[818] Noch viel stärker aber wird die Reaktion nach einem verlorenen Streik auftreten. Ein solcher würde einen äußerst schweren Stoß für die ganze Arbeiterschaft bedeuten.[819] Denn die Gegenmaßregeln müßten sowohl an Ausdehnung, wie an Energie die Folgen eines verlorenen innergewerblichen Ausstandes weit übertreffen.[820] Sie würden um so schärfer ausfallen, je umfangreicher[821] der Streik war, je revolutionärer seine Ziele,[822] je häufiger oder wahrscheinlicher seine Wiederholung.[823]

[817] Bissolati, "Das Ergebnis der italienischen Wahlen", p. 958.

[818] Bömelburg, Prot. Gwft. Kongr. Köln 05, p. 220 ff.; vgl. auch Streltzow, p. 136.