[50] So Bakunins Anhänger auf dem Kongreß in Brüssel (Umrath, "Zur Generalstreik-Debatte", p. 13, 14); so die in Brüssel erscheinende "Internationale" im März 1869, daß der G.-str. "in einem die Gesellschaft erneuernden Zusammenbruch endigen" werde; so der Kongreß in Genf 1873 (vgl. Weill, p. 163); so die Allemanisten (Richard, "Manuel socialiste", p. 78 ff.); — so die "Jungen" (vgl. Kampffmeyer, "Der Generalstreik und die Eroberung der ökonomischen Macht"); Briand, "La grève générale et la révolution". — López Montenegro wünscht (in der Broschüre "La huelga general") die Herbeiführung der sozialen Revolution durch den allgemeinen, womöglich internationalen Ausstand, der nicht eher beendigt werden solle, "bis die Häuser den Bewohnern gehörten, die Erde und ihr Ertrag den Bebauern ..." usw.; "Die Neugestaltung der Produktion werde sich schon von selber machen" (vgl. Eltzbacher, "Der Anarchismus und die soziale Revolution in Barcelona", p. 7).

§ 4. Wirkungsweise des Klassenstreiks.

Die Wirkung des Klassenstreiks kann sich einerseits in einem Druck auf die Gegner zur Herbeiführung des Zieles äußern; andererseits kann der Streik aber auch eine Beeinflussung der Arbeiter selbst zur Folge haben.

Der Druck auf die Gegner kann auf zweierlei Weise erfolgen: durch wirkliche Ausführung des Klassenstreiks, oder durch seine bloße Ankündigung.

Bei der wirklichen Ausführung kann dieser Druck vorwiegend ideeller Natur sein: Manifestations- oder Demonstrationsstreik. Durch die Arbeitsverweigerung soll der Gegner und sollen die Indifferenten nachdrücklichst auf das Begehren der Arbeiter aufmerksam gemacht, zu seiner Erfüllung aufgefordert werden;[51] der Demonstrationsstreik bedeutet also einen starken "Appell an die Gewissen ... eine Aufrüttelung der schlafenden Rechtsempfindung", einen "Gewissensschärfer", soll aber nicht bloß einen "Bittgang", sondern "immer auch ein eindrucksvolles Mene-Tekel",[52] eine Drohung darstellen; es soll "der Einheit des Willens der Massen in Bezug auf ein bestimmtes Ziel der stärkste, nachhaltigst wirkende Ausdruck gegeben",[53] "die in der Zahl liegende Wucht der Arbeiterklasse mit der nötigen Zähigkeit und Energie entfaltet" werden, damit sich "die herrschenden Klassen der Stärke der Gegner bewußt werden",[54] erkennen, "wie ernst es ihnen sei"[55] und aus diesem "Anschauungsunterricht"[56] lernen. Der auch vom Demonstrationsstreik unzertrennliche mehr oder minder starke materielle Druck soll zur Verschärfung des psychologischen Effekts dienen, zugleich, durch Erweckung von Furcht vor der Wiederholung oder Verstärkung der Arbeitseinstellung, wie eine Drohung wirken.

[51] Denn die Arbeitsniederlegung ziehe so weite Kreise in Mitleidenschaft, "daß sich die Öffentlichkeit wohl oder übel genötigt sieht, sich mit dem Streik und seinen Ursachen eingehend zu befassen" (Bernstein, "Pol. M-str. u. pol. Lage", p. 39).

[52] Bernstein, "Politischer Massenstreik und Revolutionsromantik".

[53] Bernstein, "Der Kampf in Belgien und der politische Massenstreik", p. 417; Kampffmeyer, a. a. O. meint, auch der Kleinbetrieb könne sich Arbeitsruhe "im Interesse einer allgemeinen politischen Demonstration auferlegen".

[54] Olberg, "Nachträgliches zum Eisenbahnerstreik".

[55] v. Elm (Prot. Gewft. Kongr. Köln 05, p. 226). — In einem Aufruf der tschecho-slawischen Sozialisten zur Demonstration am 10. Okt. 05 in Prag für das allg. gl. Wahlrecht heißt es: "Erhebet Euch in Massen, damit Euer Wille unabwendbar erscheine, wie das Schicksal!... Erheben wir uns zu einer Manifestation, damit sie die Kraft und Entschlossenheit von Hunderttausenden klarlege, wenn sie gezwungen wären, von der Abwehr zum Angriff überzugehn" (vgl. Dokumente des Sozialismus, Nov. 05, p. 521).