Die Wirkungen des Streiks machten sich sofort sehr unangenehm bemerklich,[298] am meisten in Stockholm, das infolge der Verkehrsstockung den Eindruck einer kleinen Provinzstadt erweckt haben soll.[299] Die Zeitungen fehlten, wie auch anderwärts,[300] die Beleuchtung litt.[301] Hingegen konnte die Wasser-, und anscheinend auch die Nahrungsmittel-Versorgung aufrecht erhalten werden,[302] wie ja seitens der Ausständigen von Anfang an "die für das Leben und die Gesundheit der Bewohner unbedingt erforderliche Arbeit" als zulässig erklärt worden war.[303] Der in solchen Maßnahmen zum Ausdruck gelangenden Friedfertigkeit entsprach auch die von Freund und Feind anerkannte "imponierende Ruhe" und "musterhafte Ordnung"[304] während des Streiks, die denn auch den Arbeitern viele Bundesgenossen aus den Reihen der Intelligenz zugeführt haben soll.[305] Mit "ruhiger Präzision" wurde die Arbeit nach Schluß der Reichstagsdebatte am 17. Mai auch wieder aufgenommen.[306]

[298] Bourdeau, a. a. O.; Branting, "Die Generalstreikprobe in Schweden", p. 422.

[299] N. Z. Z. 17./5.; der ganze Lokalverkehr lag danieder: vom Morgen des 15. an stockte der Verkehr der Trams, Droschken, Arbeitswagen, Dampfer (vgl. Allg. Ztg. 16./5.); in Malmö verkündeten die Arbeiter der Staatsbahnwerkstätten ihren Streik für den 16., so daß man schon den Anschluß der Eisenbahner fürchtete (vgl. Allg. Ztg. 15./5. und N. Z. Z. 16./5.).

[300] Branting, "Die schwedischen Reichstagswahlen"; die Zeitungen fehlten in Stockholm und Malmö vom 16. an (vgl. Allg. Ztg. 15./5., N. Z. Z. 16./5.); nur das Regierungsorgan erschien (vgl. Allg. Ztg. 17./5.); die Zeitungen drohten vergeblich mit einer 14tägigen Aussperrung (N. Z. Z. 17./5.).

[301] Stockholm war schlecht beleuchtet, da Gas- und Elektrizitätsarbeiter streikten, sogar die Theatervorstellungen mußten wegen des Streiks des Hilfspersonals abgesagt werden (Allg. Ztg. 17./5.).

[302] Allerdings wollten z. B. in Upsala die Bäckereien, in Malmö Kaffees und Restaurants für drei Tage den Betrieb einstellen (vgl. Allg. Ztg. 15. und 17. Mai).

[303] Allg. Ztg. 15./5.

[304] Branting, "Die Generalstreikprobe in Schweden", p. 420; Bourdeau, a. a. O.; "alle Welt auf den Straßen, aber nicht eine Fensterscheibe zerbrochen", "alles viel ruhiger als in gewöhnlichen Zeiten"(?), rühmt Branting ("Die schwedischen Reichstagswahlen"). Auch bei den voraufgehenden Demonstrationen scheinen keine ernstlichen Zwischenfälle vorgefallen zu sein; ein Krawall am 21. April in Stockholm, bei dem mehrere Personen durch Säbelhiebe verwundet wurden (Allg. Ztg. 20./4, N. Z. Z. 24./4.; Branting, "Die Generalstreikprobe in Schweden", soll insofern durch die Polizei veranlaßt worden sein (vgl. Branting, "Die schwedischen Reichstagswahlen"), als sie die Arbeiter am Demonstrieren habe hindern wollen (?). — Bei der Kürze der Bewegung und dem ruhigen Temperament der Schweden ist der friedliche Verlauf nicht überraschend; auch drangen die Arbeiterführer energisch auf Ordnung, und die Regierung duldete im allgemeinen überall die friedlichen Straßendemonstrationen (Branting, "Die Generalstreikprobe in Schweden"). Die Regierung hatte übrigens schon vor dem Ausstand Truppen aus den Provinzgarnisonen nach Stockholm gezogen; sie verfügte dort die Absperrung einiger innerer Stadtteile (Allg. Ztg. 15./5.).

[305] Branting, "Die schwedischen Reichstagswahlen".

[306] Branting, a. a. O. und "Die Generalstreikprobe in Schweden", p. 422; der sozialdemokratische Direktionsausschuß in Stockholm gab am 17./5. die telegraphische Parole aus, daß am gleichen Abend um 6 Uhr der Ausstand zu beendigen sei (vgl. Allg. Ztg. 18./5.; Branting, "Die Generalstreikprobe in Schweden", p. 422).