[342] Dessen wüste Szenen der "Weckruf", April 05, Nr. 7, ausmalt (cit. vom Sekretariat des Schweizerischen Gewerbevereins, "Begleiterscheinungen bei Streiks", p. 12).

[343] Die Arbeiter des Seeverkehrs sollen sich die Organisationsmöglichkeit erkämpft haben; der Streik habe 12 Menschenleben, unzählige Verwundungen und Jahre Kerkers gekostet; die Partei habe übrigens aus dem Streik nur Nutzen gezogen (Prot. Parteitg. Wien 1903, p. 32, 33, 38).

§ 13. Deutschland.

In Deutschland begegnete der Klassenstreik-Gedanke ursprünglich energischer Ablehnung.[344] "Das Wort des Genossen Auer: Generalstreik ist Generalunsinn, wurde so ziemlich allgemein (in der sozialdemokratischen Partei) als zutreffend akzeptiert".[345] Allerdings erklärten sich anfangs der 1890er Jahre die "Jungen" (auch Berliner Opposition genannt)[346] für den "gewaltrevolutionären Generalstreik zur Niederwerfung der politischen und ökonomischen Herrschaft der Bourgeoisie";[347] sie erlitten aber mit derartigen Anschauungen auf dem Erfurter Parteitag (1891) eine vollständige Niederlage.[348] Anderthalb Jahrzehnte später beherrschte die Klassenstreikidee das ganze Parteileben der deutschen Sozialdemokratie. Freilich erschien diese Idee nicht in ihrer alten, revolutionär-anarchistischen Form, sondern zumeist in der "durch materialistische Geschichtsauffassung vertieften" Spielart,[349] als politischer Massenstreik. Eine ganze Reihe zusammentreffender Umstände haben diese Wandlung veranlaßt. Es lassen sich fünf Hauptquellen der deutschen Massenstreikbewegung nachweisen.

[344] Vgl. z. B. Edm. Fischer, "Die neueste Revision unserer Theorie und Taktik", p. 292.

[345] Kolb, "Zur Frage des Generalstreiks", p. 207.

[346] Die Bewegung der "Jungen" entwickelte sich nach den Wahlerfolgen von 1890; in ihrem Tatendrang verachteten die "Jungen" den Parlamentarismus; es schwebte ihnen eine revolutionär-sozialistische Gewerkschaftsbewegung vor.

[347] Vgl. Kampffmeyer, "Der Generalstreik und die Eroberung der ökonomischen Macht", und ders., "Eine Wiedergeburt der Unabhängig-sozialistischen Bewegung?".

[348] Prot. Parteitg. Erfurt 1891, p. 222. Aus den G-str.-Schwärmern unter den "Jungen" wurden später vielfach überzeugte Gegner, wie z. B. Kampffmeyer; vgl. auch Kloth, "Generalstreik und Maifeier auf dem Gewerkschaftskongreß in Köln".

[349] Frankf. Ztg., Leitart. über den M-str., 5./7. 06, Nr. 183.