[525] Vgl. Marazio, p. 176.

[526] Olberg, a. a. O., und "Nachträgliches zum Eisenbahnerstreik", p. 380.

[527] Musée sociale, a. a. O.

[528] Vgl. Marazio, p. 176, 113-136; Olberg, a. a. O.

Die unmittelbare Wirkung des Streiks war eine "schwere Erschütterung des öffentlichen Lebens".[529] Der Lokalverkehr in den Städten war unterbunden,[530] die Zeitungen fehlten,[531] die Lebensmittelversorgung versagte,[532] die Beleuchtung litt.[533] Es kam auch wiederholt zu Ruhestörungen, die vor allem in Mailand und Genua recht ernste Formen annahmen.[534] Bei der Verübung von allerlei Unfug[535] sollen übrigens weniger die Arbeiter, als allerhand zweifelhafte Existenzen beteiligt gewesen sein.[536] Auch scheint sich die Bewegung, berücksichtigt man ihre außerordentliche Ausdehnung, im allgemeinen in den Grenzen des Zulässigen gehalten zu haben.[537] Dieser relativ friedliche Verlauf mag teils der Reserve zu danken sein, die sich die Regierung auferlegte,[538] teils den Bemühungen der Arbeiterführer um die Aufrechterhaltung der Ordnung.[539] Dies alles vermochte aber nicht die steigende Mißstimmung über die aus dem Streik erwachsenden Unannehmlichkeiten zu dämpfen. Die Bürgerschaft begann, den Verhaftungen Beifall zu spenden.[540] Vor allem fühlte man sich, und zwar auch in sozialistischen Kreisen,[541] durch das Benehmen der Syndikalisten verletzt, die in Mailand eine Art "Diktatur des Proletariats" inszenierten: die dortige Arbeitskammer soll sich der öffentlichen Gewalt bemächtigt haben;[542] sie habe "die groteske Parodie einer provisorischen Regierung, die Ukase ausgab", errichtet, und sie habe der streikenden Masse eingeredet, daß sie "die absolute Herrin der Nation" geworden sei,[543] sodaß "ganz Mailand fünf Tage lang nach der Pfeife der Arbeiter tanzte und tanzen mußte".[544]

[529] Allg. Ztg. 26./9. 04. An 900 Orten stockte das Wirtschaftsleben (vgl. Bourdeau, p. 433, bes. auch Marazio, p. 142-150).

[530] Weder Tram noch Wagen zirkulierten (in Mailand vom 16.-21./9.; in Rom usw.); selbst Leichenzüge und Krankenwagen sollen behindert gewesen sein (Bourdeau, p. 433).

[531] In Mailand erschien fünf Tage lang nur das Bolletino dello sciopero, so daß der "Corriere della Sera" bei seinem Wiedererscheinen "den unter nichtigen Vorwänden erlassenen Ausstandsbefehl ein unwürdiges Attentat auf die Preßfreiheit" nannte (vgl. Allg. Ztg. 23./9.).

[532] In Rom, Genua usw. trat Fleisch- und Brotknappheit ein, die sich in raschem Hinaufschnellen der Preise zeigte; in Sampierdarena stieg das Kilogramm Brot auf 0,80, in Genua sogar auf 1,60 Lire, so daß Schiffszwieback als Surrogat gegessen wurde. Übrigens durften z. B. in Ravenna, laut Dekret der dortigen Arbeitskammer, die Lebensmittelverkäufer bis 10 Uhr vormittag ihre Läden offen halten, sofern kein Ladenpersonal Verwendung fand; die Arbeitskammer von Sampierdarena empfahl den Milchhändlern die Weiterlieferung an Kinder und Kranke; der Mailänder Streikbeschluß nahm die Genossenschaftsbäckereien für die Versorgung der Arbeiter von der allg. Arbeitsruhe aus (vgl. Olberg, "Der ital. G-str." p. 19, 20; 24; Allg. Ztg. 17./9. 04; Leimpeters, "Zum Generalstreik", p. 883.).

[533] Die Beleuchtung fehlte in Genua drei Tage lang (Olberg, a. a. O.); in Mailand ging am 18. der Gasvorrat zu Ende, sodaß ein Teil der Stadt abends im Dunkel lag. Ähnlich stand es in Venedig (vgl. den Brief des Sindaco di Venezia an den Ministerpräsidenten, worin die Zustände während des Streiks geschildert werden, cit. bei Marazio, p. 143).