[534] Olberg, "Die ital. Wahlen", p. 278. In Mailand schlossen sich am 17. an eine Demonstration vor der Kathedrale Tumulte an; am 19., wo sich die Stadt "vollständig in den Händen des Mob" befunden haben soll, schritt die Polizei ein (Allg. Ztg. 21./9.); in Sestri Ponente war es schon am 15./9., vor Ausbruch des Streiks, anläßlich einer Protestversammlung wegen der Ereignisse in Buggerru, zu blutigen Zusammenstößen zwischen Manifestanten und Polizei gekommen; in der Nacht vom 16.-17./9. ereigneten sich ähnliche Zwischenfälle in Genua, die sich in der folgenden und, etwas schwächer, auch noch in der übernächsten Nacht wiederholten.

[535] Zertrümmern von Fensterscheiben, Löschen und Umstürzen der Straßenlaternen, Versuche, den Eisenbahn- und Telephonbetrieb zu stören, Erzwingung der Schließung von Läden, sogar von Apotheken, Zusammenstöße mit den Geschäftsleuten, Belästigung Arbeitswilliger, Hinderung des Tramverkehrs.

[536] Besonders dort, wo der Streik erst nachträglich proklamiert wurde, sollen ihn Anarchisten und Verbrecher zur Förderung ihrer Sonderinteressen benutzt haben; es begingen in Neapel am 19./9. "der Pöbel und Strafentlassene Personen" Ausschreitungen und richteten einige unerhebliche Schäden an", worauf die Polizei eingriff (Allg. Ztg. 21./9. 04; vgl. auch Marazio, p. 162).

[537] Freilich soll nach dem Journal des Débats vom 12. Oktober 04 (cit. bei Bourdeau, p. 433) in Venedig die für Kinder und Kranke bestimmte Milch in den Kanal gegossen worden sein; dies dürfte aber ein Ausnahmefall sein; im allgemeinen wurde friedlich demonstriert, bei guter Disziplin, was nicht nur von sozialistischer Seite bezeugt wird (vgl. Olberg, "Der ital. G-str."; Turati, "Lehren u. Folgen des G.-streiks in Italien"; Bernstein, "Pol. M-str. u. pol. Lage", p. 22 ff.), sondern mir, bezgl. Florenz, auch von einem uninteressierten Augenzeugen bestätigt wurde; ähnl. auch Allg. Ztg. 21./9. 04.

[538] Dies zeigte sich z. B. in der vorsichtigen Haltung des Mailänder Präfekten. Polizei und Militär handhabten die Waffen "mit großer Mäßigung", wie von sozialistischer Seite ausdrücklich anerkannt wurde (Olberg, p. 24; Bernstein, a. a. O.; vgl. ferner Allg. Ztg. 20./9. 04).

[539] In Volksversammlungen wurde zur Ruhe gemahnt (z. B. am 16. in Mailand durch Rigola, Taroni, Turati), ebenso in den Aufrufen (z. B. forderte die Arbeitskammer von Genua auf, "mit den Urhebern von Gewalttaten nicht gemeinsame Sache zu machen"); auch organisierte die Mailänder Arbeitskammer am 17. einen Sicherheitsdienst durch Veloziped-Patrouillen zur Aufrechterhaltung der Ordnung während der Nacht (vgl. Allg. Ztg. 20./9. 1904).

[540] Vgl. Turati, cit. bei Bourdeau, p. 434; Musée sociale, "Chronique", IX. année, Nr. 11, p. 485.

[541] Bissolati, "Die Entscheidung in Rom"; Turati, "Lehren und Folgen des G-streiks in Italien".

[542] Bourdeau, p. 433; Musée sociale, a. a. O. p. 484, 485; Bissolati, a. a. O.

[543] Sobald die Verhältnisse übrigens die Beendigung des Streiks erforderten, wurde "die absolute Herrin der Nation" mit der Bemerkung heimgeschickt, es habe sich nur um einen ersten proletarischen Mobilisierungsversuch gehandelt (vgl. Turati, a. a. O.).