[592] Das Strafmaß wurde herabgesetzt, so daß der Eisenbahnerstreik nur noch als politisches Delikt galt; zugleich wurde die Schaffung eines Schiedsgerichts vorgesehen. Die abgeänderte Vorlage ging schon Ende März der Kammer zu; dort bekämpfte sie Troelstra (S.D.) als einen Angriff auf die Arbeiterorganisationen; alle übrigen Parteien hielten zur Regierung.

[593] Trotz der schon im Februar von den Eisenbahn- und Transportarbeitern erklärten, von der Sektion Haag des Allg. Verbandes der Eisenbahn- und Straßenbahnangestellten wiederholten Streikbereitschaft, trotz des fast einmütigen Streikbeschlusses der Amsterdamer Eisenbahnerversammlung vom 2. April war die Beteiligung schwach. Die Versammlung der Ausständigen am Abend des 6. April war schlecht besucht.

[594] Die Eisenbahngesellschaften waren durch die Drohungen der Arbeiter seit Wochen gewarnt und hatten sich vorbereitet. Der Postdienst wurde durch Automobile besorgt, der Postverkehr mit dem Ausland durch militärisch bedeckte Züge; in beschränktem Maß wurde auch der Personenverkehr aufrecht erhalten; die Verkehrsreduktion überstieg überhaupt nicht 25%.

[595] Am 8. April fehlten nur noch Rangierer und Weichensteller; für den 9. zeigten die holländ. Eisenbahngesellschaften den ausländischen Bahnen auch die Wiederaufnahme des Güterdurchgangsverkehrs an.

[596] Nur einen Tag lang streikte das Personal der Schiffahrtsgesellschaft London-Hull, ohne sonderliche Beeinträchtigung des Verkehrs. Der am 6. April von 3 000 Dockarbeitern in Rotterdam beschlossene Hafenarbeiterstreik veranlaßte am 8. April die vereinigten Arbeitgeber des Schiffahrts- und Transportgewerbes zur Verhängung der Sperre, die 2 000 Arbeitswillige mitbetroffen haben soll. Am 8. erfolgte auch die Aussperrung in der Großfabrik für Maschinen- und Eisenbahnmaterial.

[597] Ein Steinschneider-, sowie ein unzulänglicher Bäckerstreik.

[598] Die Metallarbeiter waren schon am 7. April in einen allg. Ausstand getreten, teilweise streikten auch bereits die Bauarbeiter, Auslader und städtischen Arbeiter in Amsterdam; ebendaselbst schlossen sich dem G-streik 8 000 Diamantarbeiter, die Mehrzahl der Bauarbeiter, ein Teil der Kommunalarbeiter (Beleuchtung, Reinigung), ein Teil der Metzger und Bäcker (letztere zum Schaden der Arbeiterschaft hauptsächlich in den Arbeiter- und Konsumbäckereien, vgl. Roland-Holst a. a. O.), und die Typographen an.

[599] Die Läden in den reichen Vierteln wurden geschlossen, die Wohlhabenden verproviantierten sich in den Arbeitervierteln, wobei die Lebensmittelpreise rasch stiegen (vgl. Bourdeau, p. 432; Vliegen, a. a. O. p. 197). Der Gaskonsum mußte eingeschränkt werden (vgl. Allg. Ztg.); nur ein Teil der Straßenlaternen wurde, unter militärischer Bedeckung übrigens, angezündet. Das Elektrizitätswerk wurde mit Hilfe des Bureaupersonals in Betrieb erhalten. Der Betrieb auf den Quais, der Güterverkehr, stockte vollständig.

[600] Es streikten Bauarbeiter, Metallarbeiter, Typographen. Im katholischen Süden wurde aber überhaupt nicht gestreikt.

[601] Dies nimmt Roland-Holst an.