[609] Wenigstens war dies die Auffassung der Partei selbst auf dem Parteitag zu Dordrecht 1904; vgl. Roland-Holst, "Zur Lage in Holland", "Der Kampf und die Niederlage der Arbeiter in Holland"; Prot. Gwftskongr. Köln 05, p. 225.

[610] Vgl. Roland-Holst, "Der Kampf und die Niederlage der Arbeiter in Holland". Einige Parteimitglieder, wie z. B. Roland-Holst, sollen das von ihnen prinzipiell mißbilligte Unternehmen doch mit großen persönlichen Opfern unterstützt haben.

[611] Vgl. die Mitteilungen der Delegierten der holländischen Partei auf dem Parteitag in Jena 1905 (Prot. p. 342).

[612] Vgl. Roland-Holst, "Der politische Streik auf dem 10. Parteitag der niederländischen Sozialdemokratie". Im Auftrag des Internat. sozialist. Bureau (um "dem internationalen Kongreß einen Bericht und den Entwurf einer Resolution über diese Frage vorzulegen", vgl. Vliegen, "Der zehnte Parteitag der niederländischen Sozialdemokratie") arbeitete die Redaktion der Zeitschrift "Die nieuwe tijd" einen Entwurf aus, auf Grund dessen der Parteitag in Dordrecht eine Resolution annahm, die das fast wörtliche Vorbild derjenigen des intern. Kongresses in Amsterdam darstellt.

§ 19. Rußland.

Die Darstellung und Beurteilung der russischen Klassenstreikbewegung begegnet so mannigfachen innern und äußern Schwierigkeiten,[613] daß wir uns hier mit einer Skizzierung der äußersten Umrisse begnügen müssen.

[613] Die besonderen Schwierigkeiten beruhen auf der Verknüpfung der Streikbewegung mit der Revolution, der Unzugänglichkeit der russischen Literatur und der Unmöglichkeit einer Kontrolle unseres spärlichen Materials.

Trotz des Koalitionsverbots[614] kam seit der Mitte der 1890er Jahre der Streik, auch der Massenstreik, in Rußland immer häufiger zur Anwendung.[615] Als eine bedeutende Industriekrise im Süden die Unzufriedenheit mit der wirtschaftlichen und politischen Lage gesteigert hatte,[616] entlud sich die allgemeine Erregung schließlich im Juli 1903 in einer kolossalen Streikbewegung mit der bis dahin in Rußland unerreichten Ausstandsziffer von einer Viertelmillion.[617] Die Bewegung ergriff "epidemieartig" den ganzen Süden,[618] woselbst sie wegen der Beteiligung aller Gewerbe[619] eine mehrtägige völlige Stockung von Industrie, Handel und Verkehr, sowie empfindlichen Mangel an Lebensmitteln samt entsprechenden Preissteigerungen, auch das Versagen des Beleuchtungs- und Reinigungsdienstes zur Folge gehabt haben soll.[620] Während der Dauer des Ausstands waren die Arbeiter auf der Straße, forderten die Arbeitswilligen zum Anschluß auf, entleerten die Dampfkessel und hielten Demonstrationen ab.[621] Anfangs blieben sie unbehelligt. Dann, als der erste Elan vorüber war und die Bewegung nach und nach verlief, scheinen Militär und Polizei immer energischer eingegriffen zu haben, sodaß der Streik viele Opfer kostete.[622] Bei der Verschwommenheit der Ziele[623] konnte von einem direkten "Erfolg" keine Rede sein, wenn auch versucht worden ist, die Entwicklung des "Klassenbewußtseins" und die Entfaltung revolutionärer Energie als einen solchen zu konstruieren.[624]

[614] Vgl. Roland-Holst, "Generalstreik und Sozd.", p. 35; ihre diesbezüglichen Angaben sind übrigens mit Vorsicht aufzunehmen.

[615] Vgl. "Die Sozialdemokratie in Rußland", Bericht der Delegation der sozialdemokratischen Arbeiterpartei Rußlands an den intern. sozialist. Kongreß in Amsterdam 1904, p. 3. Da die Regierung von jeher gegen Streiks mit Gewalt vorgegangen sein soll (Bourdeau, p. 436), hätten sich aus den rein ökonomischen Streiks häufig politische Streiks entwickelt, die bei zu geringer Ausdehnung den Arbeitern leicht gefährlich wurden, weshalb man sie zu vermeiden suchte (Streltzow, "Der politische Massenstreik in Rußland und seine Lehren"). 1902 fand in Rostow am Don ein großer Sympathiestreik mit pol. und ökonom. Forderungen statt (vgl. Bourdeau; Roland-Holst, "Der politische Massenstreik in der russischen Revolution").