[625] Schon vorher streikten 13 000 Arbeiter der Poutiloff-Werke (wegen Maßregelung von Kameraden, usw.); andere Arbeiter hatten sich angeschlossen; am 22. Jan. sollen es schon 200 000 Ausständige gewesen sein (Bourdeau, p. 436).

[626] Vgl. Roland-Holst, a. a. O. p. 79 ff. Es traten "auch ganz bestimmte Klassenansprüche" der Arbeiter (betr. Arbeitsbedingungen, Behandlung, Anerkennung der Organisationen usw.) hervor (vgl. Dr. v. Wiese, "Die Arbeiterfrage in Rußland"); die "Diktatur des Proletariats", die Bourdeau unter Hinweis auf einen Vorwärts-Artikel von Luxemburg erwähnt, dürfte in der Regel wohl kaum unter den offiziellen Zielen der Arbeiter figuriert haben. Forderte doch der Arbeiterdeputiertenrat — "eine Vertretung der spezif. großindustriellen Arbeiterelite" — die Unternehmer zur Schließung der Fabriken auf, weil "ja auch ihre Interessen an Freiheit und Sicherheit von der Arbeiterschaft verfochten würden" (vgl. M. Weber, "Zur Lage der bürgerlichen Demokratie in Rußland", p. 286).

[627] Die Bewegung dauerte hier ungefähr vom 27. Januar bis 4. Februar (vgl. "Der politische Streik im Königreich Polen", Krakau, Verlag des Przedswit, besprochen in "Dokumente des Sozialismus", V, 9.). Es nahmen 400 000 Arbeiter daran teil (vgl. Rdsch. Soz. Mh. 05, April, p. 359). Der Streik wurde durchschnittlich nach 8-10 Tagen, in Warschau schon nach 3 Tagen, von den Parteikomitees der einzelnen Städte für beendet erklärt. Die Leitung scheint die polnische sozialistische Partei, P. P. S., gehabt zu haben. Für die gleichzeitig erhobenen wirtschaftlichen Forderungen wurde vielerorts nach Beendigung des des polit. Streiks noch weiter gestreikt, mit nur teilweisem Erfolg (vgl. Rdsch. Soz. Mh. a. a. O.).

[628] Vgl. Rdsch. Soz. Mh. Mai 05, p. 458, 459. Nach persönlichen Mitteilungen eines aktiv Beteiligten protestierte die polnische Gymnasialjugend, durch das Beispiel der Arbeiter zum Ausstand angeregt, durch den Schulstreik gegen die langverhaßte Russifizierung der Gymnasien.

[629] Im Sommer 1905 fand z. B. ein allgemein durchgeführter eintägiger Streik statt, den das Warschauer Komitee des P. P. S. als Protest gegen die blutigen Zusammenstöße zwischen demonstrierenden Arbeitern und Militär in Lodz (die im Juni 05 ca. 2 000 Tote gekostet haben sollen) veranstaltete. (Rdsch. Soz. Mh. Aug. 05, p. 706).

[630] Im April 1905 hatte sich endlich der allrussische Eisenbahnerverband gebildet (noch 1903 war eine diesbezügliche Anregung, die, unter Hinweis auf die Bedeutung der Eisenbahner bei einem ev. M.-str., bezeichnenderweise von südrussischen Eisenbahnern ausgegangen war, erfolglos geblieben). Der Streik begann auf der Moskau-Kasaner Linie. Sogleich proklamierte das Zentralkomitee den Generalstreik (vgl. Streltzow, a. a. O.).

[631] Streltzow, p. 133 ff.

Die ungeheure Wirkung des Streiks[632] war für die Regierung einer der Beweggründe, die Erfüllung der dringendsten Forderungen im Oktobermanifest zuzusichern.[633] Dieser Erfolg war in den besonderen russischen Verhältnissen begründet. Kämpfte doch Schulter an Schulter mit den Arbeitern fast die ganze russische Gesellschaft gegen die Regierung.[634] Sogar zahlreiche Angehörige unproletarischer Berufe folgten dem Streikbeispiel der Lohnarbeiter.[635] Letztere scheinen im Bürgertum, selbst bei den Unternehmern, Sympathie und Unterstützung gefunden zu haben.[636]

[632] Die Verkehrsstockung führte zu einer Isolierung der großen Wirtschaftszentren. Die Truppenbewegungen waren erschwert. Immerhin dürften Behauptungen, wie die, daß der Massenstreik "die gesamte Staatsmaschinerie" "desorganisiert" (vgl. Roland-Holst, "Der politische Massenstreik in der russischen Revolution", p. 216), Rußland "aus den Angeln" gehoben, (vgl. Lensch, "Die Idylle im Sumpf"), den "Tron ins Wanken" gebracht (vgl. Ellenbogen, Prot Parteitg. Wien 05, p. 121), "den Absolutismus für eine Weile niedergestreckt" habe, denn doch etwas übers Ziel hinausschießen.

[633] Weniger meßbar sind die übrigen sogenannten Erfolge des Streiks, wie Aufrüttelung der indifferenten Volksschichten. Förderung der proletarischen Organisation (die Gewerkschaften entwickelten sich allerdings nach dem Streik, aber wohl nicht, wie mehrfach behauptet wurde, wegen des Streiks an sich, sondern infolge der errungenen Freiheiten; vgl. Streltzow, p. 134) und Schwächung des Heeres. Die von Roland-Holst (a. a. O., p. 218 ff., und "G-str. und Sozd.", p. XVI) prognostizierte "allmähliche Aufreibung der Armee durch die Streikbewegung" hat keineswegs stattgefunden.