[678] Diese Einigkeit war vorhanden z. B. bei den belgischen Wahlrechtsstreiks (vgl. Kautsky, "Maifeier und Generalstreik"), beim schwedischen Kl-str., beim projektierten österreichischen Kl-str.

[679] Vgl. Cohnstaedt, "Jena. Gewerkschaft oder Revolution?" p. 549; Heine, a. a. O.; Bebel (Prot. Parteitg. Mannheim 06, p. 227 ff.); Hue, "Partei und Gewerkschaft". In England hielt man 1839 die Mitwirkung der Gewerkschaften für so ausschlaggebend, daß man schon wegen der ablehnenden Haltung der Trade-Unions den Plan des heiligen Monats zurückzog (vgl. Gammage, p. 154, 155; Brentano, a. a. O.). Ähnlich mußte die deutsche sozialdemokratische Partei vor dem gewerkschaftlichen Gegenwind die Segel streichen; umgekehrt mußte sich die Partei sowohl in Italien (1904), wie in Holland (1903), bei innerlicher Mißbilligung, dem gewerkschaftlichen Streikunternehmen anschließen.

[680] Der Gewerkschaftstypus selbst ist natürlich auch von den allgemeinen Verhältnissen, den rechtlichen Zuständen, dem Charakter des Proletariats, der Stärke revolutionärer Strömungen und Gelegenheit zu deren anderweitigen Ableitung, bes. durch die Partei, abhängig. In den französischen und italienischen Arbeitersyndikaten z. B. soll die zeitweilige Blockpolitik der sozialistischen Parteien ein entschiedeneres Betonen revolutionärer Tendenzen, das Bestreben nach Verselbständigung und Unabhängigkeit, also auch die Generalstreiktendenzen, gefördert haben.

Die Syndikate mit föderalistischer Organisationsform, geringen Mitglieder- und Kassenbeständen und revolutionären (anarchistischen, antimilitaristischen, antiparlamentarischen) Tendenzen[681] erblicken ihre Hauptaufgabe in der Vorbereitung und Inszenierung des Generalstreiks; ihre ganze Taktik wird dermaßen von diesem Gedanken beherrscht, daß man sie mit Recht als "Generalstreik-Gewerkschaften" bezeichnet hat.[682]

[681] Dieser Art waren zuerst die Bakuninistischen Föderationen (vgl. Vliegen, "Der Generalstreik als politisches Kampfmittel", p. 194; Umrath, p. 13 ff.; Bernstein, "Die Generalstreikgewerkschaft"); heute sind es großenteils die italienischen, spanischen, französischen Arbeitersyndikate, teilweise die holländischen, ausnahmsweise einige deutsche ("Freie Vereinigung", "Lokalisten") Gewerkschaften. Vgl. auch Louis, p. 297; Thomas, "Achtung! vor der 'direkten Aktion'"; Friedeberg, "Weltansch."; Griffuelhes ("Ein französischer Gewerkschafter über die Taktik der deutschen Zentralverbände", in der "Einigkeit", 11. Nov. 05).

[682] So Bernstein a. a. O.

Die zentralistischen Gewerkschaften hingegen, die sich durch ansehnlichere ökonomische Leistungsfähigkeit und durch nüchtern-praktische, sich auf das Erreichbare beschränkende Tendenzen auszeichnen,[683] lehnen den Klassenstreik im allgemeinen ab oder lassen ihn höchstens im Interesse ganz unentbehrlicher politischer Forderungen gelten.[684]

[683] So die deutschen Zentralverbände, die engl., österr., schwed., belg. Gewerkschaften; sie trachten, durch Tarifwerke auch die Berufsmassenstreiks einzuschränken.

[684] Dabei handelt es sich vorwiegend am die Verteidigung politischer Rechte (vgl. Braun, "Das Ergebnis des Gewerkschaftskongresses"; Korrespondenzblatt der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands, cit. in Soz. Prx. XV Nr. 2, Sp. 38).