»Aber was sollten Sie denn für Sorgen haben? Da ist doch kein Mensch, der Ihnen etwas zuleide tut, und Angehörige haben Sie auch nicht. Ja, wenn ich an Schiffer Jensen denke, dem im Herbst die Frau gestorben ist. Jetzt lebt er ganz allein mit dem kleinen Tom, und das Schlimmste ist, daß er nun, während er im Winterlager liegt, nicht durch Arbeit und Abwechslung abgelenkt wird und immerfort daran denken muß. Sie haben doch Ihre Arbeit und ein schönes Einkommen dazu.«

Das mit dem Einkommen hat sie nicht ohne einen Zweck gesagt, sie erwähnt es in letzter Zeit öfter. Ist es nötig, daß ein einzelner Mensch ganz allein davon lebt und sich einen Anzug nach dem anderen kauft? Nicht genug damit, er trägt sein Geld auch noch in die Bars und Tanzlokale, und es kommt vor, daß er sich kleine Summen von Schwester Emmi oder Frau Reiche leihen muß, wenn er in augenblicklicher Verlegenheit ist.

Wäre es für so einen Menschen nicht besser, eine solide und praktische Frau zu heiraten, die ihn ans Haus fesselt und sein Heim gut verwaltet? Sie hätte nichts dagegen, Frau Gregor zu werden, und aus keinem andern Grunde behandelt sie ihn zuweilen schlecht, wenn er mehr Entgegenkommen erwartet. Sie weiß, was man tun muß, um von einem Mann geachtet oder gar geheiratet zu werden, und sie ist, seitdem sie die Fürsorgestelle im Hafen hat, ihren Vorsätzen treu geblieben.

Fand sie nicht erst kurz zuvor eine Bestätigung für die Richtigkeit ihrer Erkenntnis, da selbst bei einer Irmgard Pohl keine Ausnahme gemacht wurde? Sie hat ein weites Herz, doch jetzt ist sie fünfundzwanzig Jahre alt, und da muß eine Frau mindestens wissen, was sie will.

»Nein,« sagt Herr Gregor mit schwachem Lächeln, »solche Sorgen habe ich nicht. Sie sind ja auch immer gut zu mir, darüber kann ich nicht klagen.«

Das klingt fast wie eine Werbung. Schwester Emmi rückt auch nicht ab, während seine kalte Hand nach ihr tastet.

»Aber ich hatte sehr schwere Geldverluste. Ein Rechenfehler, den ich nicht rechtzeitig bemerkt habe. Später fehlte mir der Mut, es zu melden, und nun muß ich den Verlust tragen.«

»Das ist ja empörend«, ruft sie geradezu erregt aus. »Verlangt man auch noch von Ihnen, daß Sie Geld zusetzen? Nein, das dürfen Sie sich nicht gefallen lassen!«

»Ich sagte Ihnen ja, daß ich selbst daran schuld sei, weil ich es nicht rechtzeitig meldete. Jetzt würde man es mir einfach nicht glauben.«

»Das verstehe ich nicht. Jedenfalls ist das eine bodenlose Ungerechtigkeit.«