»Ja, das glaube ich, daß Sie das nicht verstehen. Es ist auch zu kompliziert, als daß ich es Ihnen auseinandersetzen könnte. Es muß sich in den nächsten Tagen, vielleicht schon morgen entscheiden, was daraus wird. Dann darf ich wohl alles erwarten, wenn ich es nicht vorher gutmachen kann. Doch das Schlimmste wird sein, daß ich mir dann eine Kugel durch den Kopf schießen muß.«
»Großer Gott, was sagen Sie da?« Sie ist aufgesprungen und läuft ganz entsetzt in ihrem kleinen Zimmer umher.
»Ist es denn so schlimm?« flüstert sie, während sie vor ihm stehenbleibt und die Hand auf seine Schulter legt.
Da wirft er den Kopf nach vorn und stöhnt laut und gurgelnd auf. Die Spannung der entsetzlichen letzten Wochen mit den fortdauernden kleinen Unterschlagungen, von denen eine immer die andere nach sich zog, die Erregung des heutigen Tages, da er sich entdeckt glaubt, das alles löst sich in einem Schluchzen auf.
Die Tränen fließen an seinen schmalen blassen Fingern vorbei auf den empfindlichen Anzug. Aber er nimmt keine Rücksicht darauf, er ist nun am Ende seiner Kraft. Auch die betäubenden Vergnügungen in den lauten Lokalen, die ihn seine verzweifelte Lage doch nicht vergessen ließen, der übermäßige Genuß von Alkohol und Zigaretten, der versäumte Schlaf, das alles rächt sich nun, so daß er nicht mehr Herr über sich selbst werden kann.
Schwester Emmi versucht es immer wieder mit freundlichen und tröstenden Worten, sie streichelt seinen Rücken, die vollen schwarzen Haare, und sie ist selbst ganz verzweifelt, weil sie ihm damit nicht helfen kann.
Endlich stützt sie die Arme auf den Tisch, gräbt die Finger in ihren blonden Haarschopf und beginnt krampfhaft nach einem Ausweg zu suchen. Sie überlegt so angestrengt, daß ihr Gesicht ganz zerknittert ist.
Mein Gott, es müßte ihm doch irgendwie zu helfen sein. Gibt es nicht unzählige reiche Leute, die einem tüchtigen Menschen mit ein paar Brocken ihres großen Vermögens das Leben retten könnten? Sie wollte den sehen, der es fertigbrächte, ihn durch seine Weigerung einfach zu töten, wenn sie ihm die Lage schilderte, wie sie wirklich ist.
Bei diesem Gedanken kommt ihr der großartige Einfall. Sie schreit geradezu auf vor Freude. Ja, das war ein Ausweg, sie wollte es tun!
Sie packt Herrn Gregor bei den Schultern.