»Hören Sie doch, ich kann Ihnen helfen! Sagen Sie mir, wieviel es ist.«
Herr Gregor schüttelt sie ab und flüchtet in eine Ecke des Zimmers. Er dreht ihr den Rücken und trocknet mit einem seidenen Taschentuch seine Tränen.
»Was werden Sie nur von mir denken, daß Sie mich in diesem Zustande sehen? Sie müssen mich verachten«, stammelt er.
»Nein,« sagt sie, »ich verachte Sie nicht. Ich habe sogar den Generaldirektor weinen sehen, damals bei der großen Katastrophe. Er drehte sich um, wie Sie eben, aber an seinen Schultern habe ich es erkannt, daß er weinte. Nun müssen Sie mir wieder Ihr Gesicht zeigen, hier ist ein Schwamm, und dann sagen Sie mir, wie hoch die Summe ist, damit ich Ihnen helfen kann.«
Und weil er sich so ungeschickt mit ihrem Schwamm anstellt, wäscht sie ihm das Gesicht wie dem kleinen Tom und trocknet es mit ihrem Handtuch. Als er sie nun mit einem zagen Lächeln im rotgeriebenen Gesicht ansieht, erinnert er gar nicht mehr an den gepuderten und blasierten jungen Mann von einst, er ist ein großer hilfsbedürftiger Junge, und sie gibt ihm plötzlich einen schallenden Kuß auf die kühlen Lippen. Da packt er sie und will sie nicht wieder loslassen.
»Sie müssen vernünftig werden,« mahnt sie, »Sie sollen mir die Summe nennen, damit ich Ihnen helfen kann.«
»Du kannst mir doch nicht mehr helfen. Es ist jetzt zu spät. Aber allein lassen darfst du mich heute nicht, denn sonst bringe ich mich um.«
Schwester Emmi läßt keinen Menschen sehenden Auges in den Tod gehen. — —
Am nächsten Vormittag kommt sie mit sehr blassem Gesicht zu Herrn Karcher ins Bureau.
»Darf ich hier telephonieren?« fragt sie.