Wie lächerlich erscheint ihr jetzt ihre Furcht vor Joachim Becker. Hat er damals daran gedacht, daß sie ihren guten Ruf verlieren könnte? Nein, er ließ sie im Stich und sorgte für sich selbst. Warum sollte ihr Name nicht im Protokoll stehen? Weil es der Name ihres Vaters ist? Michael Pohl ist es gleichgültig, was mit seinem Namen geschieht, wenn man nur vor sich selber ein anständiger Mensch bleibt und die eigene Achtung behält.
Und darum muß sie nun zurückgehen und sich als Entlastungszeugin für Schwester Emmi melden.
Sie wird am Hafentor ohne weiteres eingelassen, denn der Kapitän selbst hatte es ja erlaubt. Obgleich sie daran zweifelt, die Herren noch in Schwester Emmis Zimmer zu treffen, nimmt sie doch ihren Weg zunächst in das Gebäude der Hafenwirtschaft.
Auf der Treppe begegnet ihr Frau Reiche. Irmgard hat zwar noch nicht die Bekanntschaft mit der Kantinenwirtin gemacht, aber nach Schwester Emmis lebhaften Erzählungen ist ihr keine wichtige Person des Hafens fremd.
Frau Reiche hat rote geschwollene Augen.
»Zu wem wollen Sie?« fragt sie mit harter Stimme.
»Zur Fürsorgeschwester.«
»Da brauchen Sie gar nicht weiterzugehen, die ist fortgegangen«, gibt die Kantinenwirtin zurück.
»Und der Kapitän ist auch nicht oben?« fragt Irmgard. Das ist eine gar zu dumme Frage. Was sollte der Kapitän allein in Schwester Emmis Wohnung? Sie hat durch das verstörte Gesicht und die rauhe Stimme der Frau ihre Fassung wieder etwas verloren.
»Das Bureau ist drüben. Hier hat der Kapitän noch nie gewohnt.«