Wie Irmgard schon an der Haustür ist, ruft die Frau ihr keifend nach: »Wird denn gar keine Ruhe im Haus? Kommen schon fremde Weiber hierher und schnüffeln in den Korridoren?«
Irmgard läßt die Tür entsetzt zufallen und eilt zum Verwaltungsgebäude hinüber. Die Bureauräume im Erdgeschoß sind schon verdunkelt, nur aus der Wohnung des Kapitäns dringt Licht. Sie geht kurz entschlossen hinauf und klingelt an seiner Tür.
Der Kapitän öffnet selbst und ist gar nicht erstaunt, sie wiederzusehen. An diesem ereignisreichen Tag ist man auf alles gefaßt.
Er fragt, ob sie mit in das Bureau hinuntergehen oder nähertreten wolle.
Nein, sie möchte ihn nur einen Augenblick sprechen. Er führt sie in sein Arbeitszimmer.
Da ist der große alte Mahagonischreibtisch, beleuchtet vom runden Schein einer grünbeschirmten Lampe. Auf einem Stuhl daneben steht der geöffnete Geigenkasten.
»Ich habe Sie gestört«, sagt Irmgard entschuldigend. »Ich wollte Ihnen nur einige Worte sagen. Es betrifft Schwester Emmi.«
»Aber wollen Sie nicht ablegen?« sagt er. »Gestört haben Sie mich nicht. Sehen Sie, ich bin immer allein. Ich wollte mir eben meinen Tee bereiten. Ich glaube, ich muß mir doch noch eine Wirtschafterin nehmen.«
Indem er über seine Angelegenheiten plaudert, läßt er ihr Zeit, sich zu sammeln. Sie kann ihm plötzlich doch nicht mehr grollen, diesem einsamen Mann mit dem Geigenkasten.
Während sie sich umwendet, um ihr Taschentuch aus dem Mantel zu nehmen, den er auf den Diwan gelegt hat, schließt er rasch den Kasten und stellt ihn hinter den Schreibtisch. Dann bietet er ihr den frei gewordenen Stuhl an.