Als das alles nicht hilft, versucht sie es auf eine andere Weise.
»Was haben Sie sich denn gedacht?« sagt sie streng. »Wollen Sie sich an diesen Herrn Stein verkaufen, um einen Menschen zu retten, der nicht das geringste Opfer wert ist?«
Die Schwester springt erregt auf. Es ist, als wollte sie davonstürzen, aber dann wirft sie sich auf die Erde und weint, laut und leidenschaftlich. Alle Demütigungen, die Angst, die zurückgedrängten Tränen lösen sich auf in diesem befreienden Schluchzen.
Als sie sich müde geweint hat, bettet Irmgard sie wieder auf den Diwan, dann geht sie hinunter zu den Eltern.
»Kommst du endlich?« sagt Frau Pohl vorwurfsvoll. Sie ist mit einer Häkelei beschäftigt, während der Mühlenbesitzer seine Zeitung liest.
Hier sitzen zwei Menschen wie in friedlichem Kreis um einen runden Tisch und sind nur vom Schicksal ihrer eigenen kleinen Familie umschlossen.
»Ich habe Schwester Emmi mitgebracht«, sagt Irmgard, während sie ihren Vater bittend ansieht. »Drüben ist in ihrer Gegenwart ein Angestellter verhaftet worden. Sie wurde dadurch so erregt, daß ich sie nicht allein lassen wollte.«
Frau Pohl steht auf.
»Dann will ich euch etwas Abendbrot besorgen«, sagt sie.
Seitdem ihre Tochter in der Mühle eine geregelte Tätigkeit hat, wird sie von Frau Pohl als selbständiger Mensch behandelt, der sich seine Gäste mitbringen darf, und der sein Essen zu fordern hat, wenn er das Haus betritt. Frau Pohl versäumt niemals ihre Pflichten.