Und er begegnet dem Hafendirektor, der ihm bisher wahrhaftig keinen Anlaß zu Klagen gab, von nun an mit kühlen, fast finsteren Mienen.

Die Arbeiten sind auch beendet, die Abrechnungen erledigt. Der Kapitän hatte sich mehr als nötig selbst darum bemüht. Nun dürfte er eine Weile auf der anderen Seite des Kanals bleiben. Herr Pohl atmet erleichtert auf.

Irmgard Pohl hat selbst eingesehen, daß ihr einige Abwechslung gut täte. Sie will zunächst einmal in ein Konzert gehen. Der Vater kann sich noch immer nicht entschließen, seine Frau an den Abenden allein zu lassen, sonst hätte er sie vielleicht begleitet, wie er es früher zuweilen tat, bis Joachim Becker ihr ein besserer Gesellschafter wurde.

Er hilft ihr in den Pelz und begleitet sie bis zum Tor. Ihr Gesicht ist von innen erwärmt, und wie sie nun, hoch und schmal, mit behenden Schritten von ihm fortgeht, sieht er ihr mit unverhülltem Vaterstolz nach.

Der Konzertsaal ist nicht sehr weit entfernt. Irmgard nimmt den Weg als willkommenen Spaziergang. Es ist unvermeidlich, daß sie wieder Erinnerungen nachhängt, denn sie hatte am Anfang ihrer Bekanntschaft mit Joachim Becker auch einige Male versucht, ihn für gute Musik zu interessieren. Er verstand wenig davon, ließ sich aber willig führen, und dann waren sie taumlig von den Tönen durch die Straßen gesegelt. Im Frühjahr und im Sommer fanden sie später andere Verwendung für ihre Abende. Irmgard hatte jedoch schon viele Pläne für den neuen Winter geschmiedet, der dann so trostlos und einsam verlief.

Bei solchen Träumereien achtet man nicht auf die Umwelt. Der Kapitän, der ihr entgegenkommt, kann ungesehen umkehren und eine ganze Weile hinter ihr hergehen.

Vielleicht überlegt er, ob er sie noch ansprechen soll. Er zögert sehr lange. Das mag an ihrem leichten und wiegenden Gang liegen. Sie hat nicht sonderlich kleine, aber sehr schmale Füße, die sie in ihrer Verträumtheit langsam über das bereifte Pflaster führt.

»Werden Ihnen in diesen dünnen Schuhen nicht die Füße erfrieren?« sagt er schließlich dicht neben ihr, während er die Hand aus der Manteltasche zieht, um sie nach dieser burschikosen Anrede zu begrüßen.

Er hat sie selbstverständlich sehr erschreckt. Aber sie geht rasch auf seinen Ton ein und sagt: »Wie hätten Sie die schönen neuen Schuhe bewundern können, wenn sie in solchen Ungetümen von Überschuhen steckten?«

Sie mögen beide jetzt zu gleicher Zeit erkennen, daß das der geeignete Verkehrston für sie ist. Menschen mit Enttäuschungen, die nicht verbittern wollen, wählen gern den leichten Spott zum Verdecken ihrer Grundstimmung.