Sie folgt der Aufforderung wie ein gestraftes Schulmädchen. Als sie von ihrer Tasche hochblickt und die strengen Falten in seinem Gesicht bemerkt, muß sie lächeln. Sie weiß keine Erklärung dafür, daß sie sich auf einmal unsäglich erleichtert fühlt.
Er geht stumm neben ihr her, während sie sich der Billettkasse nähern. Sie ist ihm so dankbar und möchte ihm irgend etwas Gutes sagen.
Während sie ihn betrachtet, wie er zum Schalter herabgeneigt ist und in seiner etwas umständlichen Art verhandelt, muß sie daran denken, daß ihr die Achtung der Menschen doch nicht so gleichgültig ist, wie sie es sich immer eingeredet hatte. Es ist sehr schön, zu wissen, daß man trotzdem nicht von ihnen gerichtet wurde.
Der Kapitän kommt zurück. Er hat drei Karten in der Hand.
»Der Nachbarplatz war schon vergeben«, sagt er und blickt unschlüssig auf die unverwendbare Karte.
»Geben Sie, bitte!« sagt sie. Er läßt sich die Karte aus der Hand nehmen. Sie steckt sie in ihre Handtasche. »Die hebe ich mir auf zum Andenken an einen guten Mann.«
»Sie sollten sie lieber einem armen Menschen schenken, der sich keine Musik leisten kann«, erwidert er, auch jetzt nicht ohne Strenge.
»Mein Gott, Herr Schulmeister, nun könnten Sie wieder etwas freundlicher sein. Natürlich haben Sie recht.« Sie sieht sich suchend um.
Er lächelt. »Gehen wir wieder vor den Eingang! Hier haben die Leute schon das Geld in der Hand.«
An der Tür begegnet ihnen ein junger Mensch mit rotgefrorenen Händen. Ein armer Musikstudent vielleicht.