»Ja, daran sind nur unsere aufgeweichten Wege schuld«, meint Irmgard, in dem Gefühl, auch ihrerseits etwas sagen zu müssen. »Aber was hatten Sie denn unten zu tun?«

»Ach, offengestanden, ich bekam nur Lust, die Nase in den Regen zu stecken.«

»Vielleicht ist zufällig jemand vorbeigegangen, der auch seine Nase spazierenführen mußte?« fragt Irmgard lächelnd, ihre Züge sind nun sehr erschlafft.

»Ach ja, da werden viele gewesen sein. Doch unsere Patientin wollen wir nun wieder in die Federbetten stecken.«

Irmgard hat nichts dagegen einzuwenden. Sie läßt sich von den festen kleinen Händen der Schwester hochheben und stützen. Dann liegt sie wieder im Bett und denkt, daß sie für den neuen Flug in das Leben noch nicht tauglich sei. Auch der Blick aus dem Fenster hat ihr noch nicht den Weg in die Zukunft eröffnet, der durch einen neuen kleinen Erdenbürger bestimmt wird. Sie hebt sich alle Fragen und Auseinandersetzungen für einen späteren Tag auf. Nur den Knaben wünscht sie noch einmal zu sehen.

»Ist es nicht, als könnte er schon hören?« fragt sie, »wenn ich ihn anriefe, so würde er sich vielleicht rühren.«

»Nein, so weit ist es noch nicht. Außerdem — er hat doch noch keinen Namen, wie soll er Sie denn verstehen?« Und Schwester Emmi lacht herzlich über ihren eigenen Witz.

In Irmgard aber weckt das wieder nur traurige Erinnerungen. Sie blickt den Säugling lange an und fragt dann leise:

»Hat mein Vater sich noch immer nicht geäußert?«

»Nein. Er meinte, ich solle Sie nach dem Namen fragen, wenn Sie sich etwas wohler fühlen.«