»Und hat mein Vater auch Interesse für das Kind gezeigt?«
»O ja. Wenn er zufällig vorbeigekommen ist, hat er es betrachtet und gesagt, was die Ansicht sämtlicher Männer ist: daß in diesem Alter die Menschen alle gleich aussehen.«
»Aber das kann man doch nicht mehr sagen, nicht wahr? Hat es nicht die unverkennbaren Pohlschen Züge: die starken Backenknochen und Vaters tiefliegende Augen?«
»Mit einiger Phantasie kann man es so sehen.«
»Ach, ich spreche gewiß wieder wie alle Mütter«, meint Irmgard traurig lächelnd.
»Gott sei Dank ja! Sie unterscheiden sich darin nicht eine Spur von ihnen. Und das ist herrlich. Das ist doch wirklich ganz prächtig.«
Sie nimmt den blassen schönen Kopf zwischen beide Hände und legt ihn in die Kissen zurück. Dabei sind ihre Finger von zärtlichem Druck, und plötzlich hat sie für eine Sekunde ihr kleines Gesicht an Irmgards Wange gelehnt.
»Weil Sie so tapfer und geduldig sind«, sagt sie gleichsam zur Entschuldigung, als sie das Kind aufnimmt und hinausbringt. —
Einige Tage später ist Irmgard schon richtig aufgestanden. Sie konnte sich selbst ankleiden, ist im Zimmer umhergegangen und hat sich wieder an das Fenster gesetzt, das auf den Kanal hinausgeht.
An diesem Tage liegt wirklich Sonne auf allen Dingen, und Irmgard denkt, daß nun das neue Leben beginne, für das sie die richtige gesunde Einstellung braucht.