Sie ruft Schwester Emmi und sagt kurz entschlossen:

»Sie müssen sich hierher setzen und mir einige Fragen beantworten. Ich hasse das Halbe und Kranke und muß es vollkommen abstreifen, wenn ich wieder mit beiden Beinen im Leben stehen soll.«

Sie freut sich über ihre eigene Kraft, und Schwester Emmi sagt ein wenig gekränkt: »Ja, jetzt werden Sie wohl wieder alles in die Hand nehmen wollen.«

Sie empfindet eine Abneigung gegen die Frauen, die immer fest und unbeirrt handeln und ihre Ziele und Wege deutlich vor sich sehen. Sie hat ihre kleine Person immer vom Schicksal vorwärtsstoßen lassen, wie es gerade sein mußte.

Irmgard ist viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, als daß sie das verschlossene Gesicht der anderen bemerken könnte.

»Es gibt soviel Unausgesprochenes in diesem Haus. Dann scheint etwas in mir schief gerückt, und ich habe nicht eher Ruhe, als bis es geradesteht. Da ist zum Beispiel der Vater. Er spricht gut und freundlich mit mir, aber ich sehe ihn selten, und er ist jetzt noch verschlossener als früher. Wir hatten uns bisher immer ohne Worte verstanden, aber seitdem uns beiden das angetan wurde, dieser — Vertrauensbruch, weiß ich nicht, wie er es trägt. Sie aber haben ihn alle Tage gesehen, besonders in der ersten Zeit, und können mir einen Fingerzeig geben.«

»Leider kann ich Ihnen wenig sagen. Er war fast immer in seinem Kontor oder in der Mühle. Nur zu den Mahlzeiten ist er hier gewesen, hat sich sehr ruhig nach allem erkundigt und sonst kaum ein Wort gesprochen.«

»Aber wenn er drüben im Hafen die Tätigkeit sah — die vielen Menschen, die jetzt dort arbeiten, und die lauten Maschinen, die ganze geräuschvolle Geschäftigkeit, die ihn tagaus, tagein an seinen Ärger erinnern muß —«

Sie spricht nicht zu Ende und sieht die Schwester erwartungsvoll an.

»Ach, er ist doch den Lärm von seiner Mühle her gewöhnt. Auf einen Mann hat das sicher eine andere Wirkung.« Schwester Emmi beginnt, sich bei diesen Erörterungen zu langweilen. Das scheint ihr alles nicht so des Nachdenkens wert.