Er ist so vertieft, daß er fast aufschreckt, als das Telephon neben ihm rasselt. Er nimmt den Hörer ab und murmelt ärgerlich ein »Hallo« in den Apparat.

»Herr Kapitän?« hört er eine fragende Stimme.

Er weiß nicht sofort, woher ihm dieser Tonfall bekannt ist, aber er ist irgendwie davon betroffen und verliert so weit seine kühle Überlegung, daß er möglichst tonlos in der Art des Kapitäns ein »Ja« murmelt.

»Hier Irmgard Pohl«, vernimmt er nun, und es fällt ihm ein, daß er noch niemals mit ihr telephoniert hat. Ihre Stimme wirkt in der Verwandlung durch den Draht sehr tief und voll.

Seine Herzschläge werden heftiger und rascher. Er ist ärgerlich darüber, zumal ihm bewußt wird, daß er jetzt nicht länger hören darf, was für ihn nicht bestimmt ist.

»Ich muß Sie leider bitten, Herr Kapitän, heute nicht zu kommen. Unser Michael hat den Keuchhusten. Wir möchten doch vermeiden, daß Sie die Krankheit etwa zu den Kindern der Schiffer im Hafen bringen —«

Er wirft den Hörer hin und rennt erregt im Zimmer umher.

›Ist es nötig,‹ denkt er, ›daß der Kapitän mehr als das Geschäftliche drüben erledigt? Was hat er mit der Tochter zu tun? Und was sind das für Kinderkrankheiten drüben? Wie kommen Kinder in die Mühle?‹

Er wird immer ärgerlicher, weil er hier vor etwas Fremdem steht, vor einer Tatsache, die so unerwartet über ihn herfällt. Und weil er fühlt, daß das Vergangene ihn doch nicht so unberührt läßt. Wäre er sonst dermaßen erregt? Er ist unerklärlicherweise voller Zorn auf den Kapitän.

Der kommt ahnungslos herein, begrüßt ihn mit dem stets freundlichen Lächeln im braunen, hageren Gesicht und spricht gleich von den geschäftlichen Dingen.