»So —« Der Generaldirektor fühlt, daß seine Ohren brennen und wendet sich halb ab. In seiner Verlegenheit zieht er die Uhr und sucht seine Aktentasche, um in sein Stadtbureau zurückzukehren.

Obgleich das konziliante Lächeln im verschlossenen Gesicht des Kapitäns ihn bis zum Äußersten reizt, gibt er ihm sehr liebenswürdig zum Abschied die Hand.

»Ja, was mir eben einfällt«, sagt er an der Tür. »War die alte Frau Pohl drüben nicht gelähmt?«

»Ich hörte auch einmal davon«, erwidert der Kapitän. »Soviel ich weiß, ist sie jetzt gesund.«

»Soso, das ist ja sehr erfreulich.« Er geht mit langen Schritten, ohne sich umzusehen, zu seinem Wagen.

Unterwegs rückt er auf den Polstern hin und her. Plötzlich lacht er nervös auf.

Der Chauffeur macht eine kleine Bewegung, als fühle er sich angerufen, fährt aber in steifer Haltung weiter.

›Zum Teufel!‹ denkt der Generaldirektor, ›was ist das für eine verrückte Geschichte! Ich könnte doch wahrhaftig fast den Kerl da vorn fragen, ob es möglich ist, daß ein altes Weib von beinahe fünfzig Jahren, das lange Zeit gelähmt und wahnsinnig war, noch Kinder kriegen kann.‹

Und dann rechnet er und überlegt, ob in seiner Umgebung nicht ein einziger Mensch ist, der es ihm gesagt haben könnte, wenn dieser Junge wirklich — Er stellt fest, daß er ganz allein ist und daß alle, denen es etwa bekannt war, gerade ihm gegenüber diskret schweigen mußten.

Auch der Kapitän ist mit dem Gespräch nicht zufrieden. Er kann nur annehmen, daß Irmgard Pohl ihm selbst die Mitteilung machen wollte. Und nun sollte sie mit dem gesprochen haben, den sie gerade jetzt zu vergessen im Begriff ist?