Während er nervös umherläuft und überlegt, was er zu unternehmen habe, vergißt er sogar, daß er nun um den Besuch gebracht wird. Er war hier in heiterer Stimmung spazierengegangen und hatte sich darauf gefreut.
Da liegen seine Papiere und warten auf ihn. Er hat im Grunde keine Zeit, sich während des Dienstes mit persönlichen Dingen abzugeben. Aber er nimmt langsam den schief eingehängten Hörer ab und läßt sich mit Irmgard Pohl verbinden.
Sie meldet sich von der Wohnung aus, und er glaubt zu entnehmen, daß sie in Ungeduld sei.
»Hier v. Hollmann«, sagt er so laut, daß seine heisere Stimme mehr Klang bekommt. Wenn er telephoniert, so ist es auch immer, als riefe er gegen einen mächtigen Sturm, der ihm die Verständigung erschwert.
Irmgard Pohl scheint im ersten Augenblick nicht zu wissen, mit wem sie es zu tun hat, denn sie kannte ihn immer nur als den »Kapitän«. Dann begrüßt sie ihn sehr herzlich und bedauert, daß die Verbindung vorhin gestört worden sei.
Ja, das bedaure er auch sehr lebhaft, noch mehr jedoch die Mitteilung von der Erkrankung des Knaben.
So, nun ist er im Bilde. Er atmet erleichtert auf. Aber blitzschnell fährt es ihm doch durch den Kopf, während er sich nach Fräulein Pohls Befinden erkundigt, daß der Generaldirektor aus irgendwelchen Gründen eine Täuschung beging.
Noch weiß er nicht, ob zu persönlichen oder geschäftlichen Zwecken. Jedenfalls findet er, daß es nicht leicht ist, diesem Mann gegenüber immer gerecht zu bleiben.
Irmgard nimmt alle guten Wünsche des Kapitäns entgegen und vertröstet ihn mit ihrer Musikstunde auf spätere Wochen. —
Es ist nicht mehr viel von der gestrigen heiteren und leichten Stimmung in ihr. Und wenn zuweilen noch einige Harmonien in ihr Ohr klingen, so werden sie bald von dem furchtbaren Stickhusten des kleinen Kranken zerstört.