Sie beschließt, sobald der Knabe wieder gesund sei — der Gedanke an eine ernstliche Gefahr liegt ihr vollkommen fern —, den Kapitän zu bitten, daß er sie wieder in ein Konzert oder Theater begleite. —

Als die Krankheit des Kindes sich steigerte und heftigere Formen gewann, ließ Schwester Emmi es sich nicht nehmen, zu Herrn Pohl in das Bureau hinüberzugehen, um dort einige Ratschläge aus ihrer Praxis niederzulegen. In die Wohnung wollte sie sich »ihrer Kinder wegen« nicht begeben, so gern sie persönlich geholfen hätte.

Herr Pohl drückt ihr immer wieder die Hand. Er läuft in diesen Tagen unruhig und mit vielen Umwegen in seinem Betriebe umher und kann nicht still in seinem Schreibtischsessel sitzen. Nun schreibt er alles getreulich auf, was Schwester Emmi ihm diktiert, und sagt kaum ein Wort.

Das wäre wohl das letzte, daß er diesen kleinen Kerl verlieren sollte, den er allmählich ohne viel Aufhebens in sein altes, viel getäuschtes Herz aufnahm.

Er begleitet Schwester Emmi bis vor die Tür und gibt beim Abschied ihre kleine feste Hand langsam frei. Wie er durch den dunklen Korridor zu seinem Zimmer zurückgeht, stützt er sich ein paarmal mit der Handfläche schwer gegen die Wand. —

Vor der Kantine begegnet Schwester Emmi dem Generaldirektor. Sie will ihm flink ausweichen, aber er tritt ihr entgegen und sagt sehr ungehalten:

»Ich sehe, Sie verlassen hier Ihren Platz!«

Sie glaubt, daß er sah, woher sie kam, und greift rasch zu einer Lüge.

»Ich hatte nur in der Mühle für die Verwaltung etwas auszurichten«, stammelt sie.

»So. Sie von der Fürsorge hätten am wenigsten Ursache, die ansteckende Krankheit von drüben hierher zu verschleppen. Oder ist die Gefahr vorüber?« fügt er etwas milder hinzu.