Es fällt ihr ein, daß es sich doch eigentlich um seinen eigenen Sohn handele und daß die Besorgnis ihr vor dem Generaldirektor zur Ehre gereichen müsse. Sie antwortet daher mit betrübtem Blick:

»Leider nein. Es steht sehr schlimm.«

Unwillkürlich sieht sie dabei verlegen zu Boden, und da sie in Anwesenheit von Vorgesetzten immer ein wenig verwirrt ist, zieht ein roter Schein über ihr kleines Gesicht.

Der Generaldirektor ist seit dem Telephongespräch in dieser Angelegenheit mißtrauisch geworden. Er vermutet überall Mitwisser, hämischen Klatsch. Im übrigen aber hofft er noch, daß seine wahnwitzige Hypothese falsch sein könne. Er bringt sich selbst in schiefe Situationen, um endlich aus der scheußlichen Ungewißheit herauszukommen. Vielleicht hat er zage vermutet, bei diesem Gespräch, das zu einer glatten Zurechtweisung der armen Fürsorgeschwester wurde, etwas zu erfahren.

Ärgerlich wendet er sich ab und geht in das Verwaltungsgebäude.

Am Schluß der geschäftlichen Besprechung mit dem Kapitän sagt er:

»Ich sah vorhin die Fürsorgeschwester von der Mühle kommen. Was hat gerade sie dort zu suchen, wo die ansteckende Krankheit ist? Hatten Sie keinen anderen Boten?«

Es verstimmt ihn, daß er nicht sofort davon sprach, sondern nervös während der geschäftlichen Auseinandersetzung die geschickteste Formulierung suchte. Seine Worte klingen daher schroffer, als es in seiner Absicht lag.

Der Kapitän ist nicht geneigt, sich von einem Vorwurf, zu dem keine Veranlassung vorliegt, auf Kosten eines Angestellten zu befreien. Außerdem weiß er nun, worauf Joachim Becker hinauswill.

»Ja,« meint er leichthin, während er mit den Händen auf dem Rücken in die Mitte des Raumes stelzt, »sie ist drüben bekannt, die Schwester Emmi. Sie hat seinerzeit Fräulein Pohl gepflegt. Übrigens haben Sie wohl auch nicht gewußt, daß sie eigentlich gelernte Säuglingsschwester ist?«