»Nein«, sagt der Generaldirektor verdutzt. Nun hat er seine Gewißheit. Auf so viel Aufklärung war er nicht einmal gefaßt. »Sie macht doch ihre Sache bei unserer Fürsorge ganz gut?« bringt er, immer noch sehr barsch, hervor.

»Allerdings, ausgezeichnet«, erwidert der Kapitän, der nun seine Stiefelspitzen beguckt. »Die Kenntnisse schaden durchaus nicht. Warum sollen sie nicht auch hier im Hafen noch zu verwerten sein?«

Er lacht wie über einen Witz. Der Generaldirektor nimmt es als eine geschmacklose Anspielung und verabschiedet sich zum erstenmal von diesem korrekten Mitarbeiter, ohne ihm die Hand zu reichen. — — —

Eines Nachts, nachdem Frau Pohl in ununterbrochener Pflege um das Leben des kleinen Kranken gekämpft hat, wird sie wieder von dieser Vision erschreckt: ein Kind, noch unausgeprägt in seinen Formen, vielleicht erst wenige Tage alt, liegt ohne Atem in ihrem Arm; sie lauscht, tastet und kann die Starrheit des winzigen Körpers mit ihrer eigenen Wärme nicht lösen.

Unmittelbar anschließend erscheint ihr dann diese beängstigende Barriere, die undurchdringliche Wand vor dem Abgrund in ihrer Erinnerung.

Sie weiß nichts mit diesem Bild zu beginnen, denn da liegt ihr Kind mit den Zügen Michael Pohls, und es fehlt ihr jede Ordnung in ihrem Gedächtnis.

Sie beugt sich zu dem Knaben herab und lauscht, dicht am fiebernden Körper, seinem geschwächten Herzschlag. Periodisch wiederkehrende Erstickungsanfälle, wohl vierzig an diesem Tag, haben den kleinen Organismus vollkommen erschüttert.

Frau Pohl starrt mit ihren heißen, fanatischen Augen angespannt auf die Uhr. Sie hat sich die Zeit für den nächsten Anfall ausgerechnet. Die Sekunden schleichen. Aber der Zeiger rührt sich, rückt fürchterlich vorwärts.

Das Brausen und Feilen des Blutes in ihrem Kopf, die gleichmäßigen Atemzüge ihres Mannes, der — hilfsbereit — angekleidet auf seinem Bett liegt, das Ticken der Uhr scheinen ihr lärmende Geräusche in der nächtlichen Stille.

Der Knabe wirft sich herum. Frau Pohl umklammert das Gitter des Bettes, vornübergebeugt, atemlos.