Ihre Blicke haften ineinander, sekundenlang. Michael Pohl berührt sachte ihre Schultern. Da fährt sie zusammen.
»Wieder habe ich es gesehen«, flüstert sie ängstlich. »Jetzt, in diesem Augenblick, ganz deutlich.«
Er löscht das Licht und führt sie in das Nebenzimmer. Blaugraue nebelverhüllte Morgenluft ist hinter den Fenstern.
Während Frau Pohl starr geradeaus blickt, beginnt er, sie vorsichtig auszufragen.
Sie erzählt von der Vision.
»Ja,« sagt er, den Blick ruhig, zwingend auf ihre Augen gerichtet, »das war dein Sohn! Und der Knabe nebenan, den du dir heute nacht ins Leben zurückgerettet hast, ist Irmgards Sohn. Aber nun gehört er dir, als wäre er dein eigener.«
Sie versucht, den Kopf zu bewegen. Steif wendet sie ihn dem Fenster zu und starrt wieder in ihre Erinnerung zurück.
»Wie lange war ich krank?« fragt sie mühselig, tonlos.
»Fünf Jahre.«
»Fünf Jahre ...« wiederholt sie langsam.