Michael Pohl nimmt ihre kalten, zuckenden Hände auf.

»Alles,« flüstert sie hastig, »alles mußt du mir erzählen!«

Und er berichtet langsam, was sie zunächst zu fassen vermag, bis mählich ihre Augen ruhig werden und sie alle Zusammenhänge erkennt.

Sie äußert sich nicht. Sie lehnt stumm den Kopf an seine Schulter und schließt die Augen.

Er streicht zärtlich über ihre stumpfen braunen Haare mit den grauen Streifen und atmet leichter, befreit. Ob jetzt das Leben auch für sie beide noch einmal beginnt? — — —

Nun weiß Joachim Becker, welche Bewandtnis es mit dem Knaben in der Mühle hat, und könnte zur Tagesordnung übergehen. Laufen nicht genug Kinder in der Welt umher, die von ihren Vätern niemals gesehen wurden, ja, von deren Existenz die Erzeuger keine Ahnung haben? Es wäre wirklich keine Ursache, diese Angelegenheit allzu wichtig zu nehmen.

Aber daß er gerade jetzt auch von der Krankheit erfahren mußte, kompliziert den Fall. Schließlich ist er ein fühlender Mensch, und wenn jemand schwer darniederliegt, kann er ihm seine Teilnahme nicht versagen. Er malt sich aus, was der Verlust für Irmgard Pohl bedeuten müßte, denn an ein Kind von fast zwei Jahren hat man sich immerhin gewöhnt. Schon aus diesem Grunde hätte er gern gewußt, wie es mit dem Knaben steht.

Er findet eine geschäftliche Angelegenheit, die sofort mit dem Kapitän besprochen werden kann. Also fährt er wieder in den Hafen und sieht sich dort gelegentlich auch nach Schwester Emmi um. Man könnte ihr heute ein freundliches Wort geben, obgleich ihm der Gedanke nicht angenehm ist, daß sie recht viel von seinen rein privaten Angelegenheiten weiß.

Schwester Emmi wird ihn wohl rechtzeitig erspäht haben. Sie läuft nicht ein zweites Mal blind in Ungelegenheiten hinein. Aber der Kapitän ist da, freundlich und höflich wie immer. Joachim Becker sieht ein, daß er ihm neulich Unrecht getan hat.

Er drückt ihm kräftig die Hand und bietet ihm von seinen Zigaretten an, während sie sich über die Fortschritte am Bau ihres Getreidespeichers unterhalten.