Er plaudert im gleichen angeregten Ton weiter: Gewiß, eine Woche würde er sich gern gedulden, auch etwas länger, wenn es sein müßte.

Dann richtet er sich plötzlich auf. Seine Stimme wird noch lauter, weil er den Ton sehr tief aus der Kehle holen muß.

Wie? Verreisen? Wie lange? Ein ganzes Jahr? In die Schweiz? Er habe doch recht gehört: sie selbst? Ja, dann wünsche er alles Gute. Ach, in ein paar Wochen erst? Gewiß, dann hätte er noch Gelegenheit, sich persönlich zu verabschieden. Demnach also auf Wiedersehen! Und eine Empfehlung an die Eltern!

Er legt den Hörer langsam hin. Sein schmales kantiges Gesicht mit den vielen Falten in der braunen, trocknen Haut sieht nicht befreiter aus als das Joachim Beckers, der vor wenigen Minuten diesen Raum verließ.

Aber auch diese Woche vergeht, und er begibt sich eines Abends gegen sieben Uhr auf den kurzen Weg zum Nachbarn. Seine Geige ist natürlich zu Hause geblieben, denn nun hat es ja keinen Zweck, damit zu beginnen.

Frau Pohl lernt er noch immer nicht kennen, weil sie der Luftveränderung wegen mit dem Knaben verreist ist. Das sei ein gutes Mittel gegen diese Krankheit, meinte Irmgard Pohl am Vormittag, gelegentlich der telephonisch ausgesprochenen Einladung. Damit wäre übrigens auch die Ansteckungsgefahr für »seine Kinder« beseitigt.

Er wird von Vater und Tochter sehr liebenswürdig empfangen. Sie essen gemeinsam, und der Kapitän bestreitet hauptsächlich die Kosten der Unterhaltung. Das kann nicht schwer für ihn sein, da er soviel auf seinen weiten Reisen erlebte. Auch von der Schweiz erzählt er. Vielleicht dürfe er ihr für die Reise einige Ratschläge geben.

»Ach, stellen Sie sich meine Reise nur nicht als eine wechselvolle Vergnügungsfahrt vor, wie sie sich für einen Mann gestalten mag!« sagt Irmgard Pohl lachend. »Wir haben an ein Institut geschrieben, wo ich mich ein Jahr lang in praktischen Dingen und in Sprachen üben und mit jungen Menschen etwas Sport treiben kann. Der Vater findet, daß ich hier zu wenig Bewegung habe und daß er zu alt für mich sei.«

»Ja, das ist wahr,« meint Herr Pohl, »Jugend gehört zu Jugend. Wir haben es uns reiflich überlegt. Und so wird es das Beste für alle sein.«

»Da haben Sie recht«, bestätigt der Kapitän. »Da haben Sie vollkommen recht.«