Nun ist auch der Tag gekommen, an dem der fertige Getreidespeicher seiner Bestimmung übergeben werden kann.

Das zweite Hafenbecken ist vollendet, und die gewaltigen Konturen des Speichers zeichnen sich auf seinem neuen Wasserspiegel ab.

Der erste Kahn mit einer russischen Getreideladung wird hereingelassen, und das ist ein großer und erhebender Augenblick.

Sogar Kommerzienrat Friemann erschien, um diesem Vorgang beizuwohnen, der die ersprießliche Zusammenarbeit seiner Firma mit dem Hafen einleitet. Auch der Generaldirektor nahm sich die Zeit, die er diesem Entwicklungsstadium seines Hafens schuldig ist.

Er stellt sich zu den Ingenieuren, die nun ihre Arbeit zu übergeben haben, und freut sich ihres Eifers.

Bodenmeister Ulrich steht neben dem Kapitän. Er hat die Augen fest auf das Hebelbrett der Antriebsmotoren gerichtet, das er von nun an bedienen wird. Heute übernehmen es noch die Ingenieure.

Die langen Schläuche der Saugförderanlage werden in den Kahn hinabgelassen, die Maschinen beginnen zu rattern.

Auch Herr Karcher ist herbeigekommen, um ehrfürchtig das fertige Werk der Technik zu bestaunen. Er stellt sich in der Nähe Schwester Emmis auf, die von Felix Friemann in ein Gespräch gezogen wird. Es ist wieder Frühling, und Schwester Emmi hat ein frischgewaschenes, hellblau gestreiftes Kleid an, dazu eine blendend weiße Latzschürze, die sich über dem Busen zierlich wölbt.

»Es fängt an«, ruft sie aus. Sie ist die erste, die in den Speicher eilt. Da steht schon der Bäckermeister Reiche und betrachtet die ankommenden Getreidekörner mit feuchten Augen. Sie fallen in schmaler Reihe aus den Rohren auf den Boden des Speichers herab und bilden niedrige Häufchen, von einer Staubwolke umwogt.

Aber seht, wie sie wachsen! Als der Kommerzienrat mit Joachim Becker und dem Kapitän hinzutritt, sind es richtige Hügel geworden, die sich in der Höhe und Breite vergrößern. Und wer Geduld hat zu warten, kann es erleben, wie der Speicher sich füllt, wie es an den Wänden hochklettert und die Räume überschwemmt. Nun sieht man keinen Fußboden mehr, die Flut der kleinen prallen Körner wächst an den eisernen Pfosten hoch, die den Raum wie Säulengänge teilen, sie steigt bis zu den Fenstern hinauf, die dicht unter der Decke liegen, sie ist schwer und reif wie ein fruchtbarer Segen im neuen Haus.