»Viel Vergnügen!« ruft sie aus. Sie blickt mit ihren lustigen Augen zu ihm hoch und hebt sich auf die Fußspitzen, um auch seine übertriebene Länge zu verspotten. »Die können Sie wirklich gebrauchen, die Anni oder Elli«, sagt sie noch lachend, während sie bereits enteilt.

Felix Friemann sieht ihr traurig nach. Er muß sich schon von einer kleinen Fürsorgeschwester auslachen lassen, er will sich bessern, das will er gewiß.

Der Kommerzienrat und Joachim Becker sehen sich auch sonst noch den Hafen an, dann fahren sie gemeinsam in das Stadtbureau zurück. Felix Friemann kann die beiden im letzten Augenblick vor der Abfahrt noch mit seinen langen Beinen einholen und seinen Schwager bitten, an Adelheid und seine Tochter Grüße zu bestellen.

Als alle Besucher fortgegangen sind und auch die Ingenieure mit dem Kapitän im Verwaltungsgebäude verschwanden, steht der Bäckermeister Reiche immer noch vor den Getreidemassen des Speichers und ist in tiefes Nachdenken versunken.

Er bückt sich und nimmt die Körner so voll in seine große helle Hand, daß sie zwischen den Fingern herausdringen, dann läßt er sie fallen, und wenn die Faust wieder leer ist, wird er von neuem traurig.

Schließlich muß er den Speicher verlassen. Bodenmeister Ulrich wird ungeduldig, er will endlich unumschränkter Herrscher in seinem Reiche sein. Die Befehle an die Arbeiter sind knapp und bestimmt, als spräche Joachim Becker mit ihnen.

Herr Reiche geht langsam und schwerfällig bis an das Ende des Hafenbeckens und um die Schmalseite herum zum Kanal, der den Hafen von der Mühle trennt.

Da steht der Speicher des Müllers, er ist nicht weniger vollkommen, nur etwas kleiner und älter. Daneben arbeitet die Mühle, die aus den prallen goldenen Körnern das Mehl bereitet. Und in der Stadt sind die vielen Meister, die ihr Brot davon backen. Sie holen es glühendheiß aus den Öfen, aber sie nehmen es trotzdem für den Bruchteil einer Sekunde zwischen die Hände und fühlen den elastischen goldbraunen Laib. Der ehemalige Bäckermeister glaubt den frischen sauer-süßen Duft zu verspüren, dann denkt er an die Selter- und Malzbierflaschen und an die Milchgläser, die er täglich mit einer langen Bürste reinigt.

Er ballt in ohnmächtiger Wut die Fäuste und findet keinen Weg aus seiner Not.

Nun fällt sein Blick auf einen Wagen, der neben der Mühle mit Säcken beladen wird. Er gehört einer großen Bäckerei, die sich ihr Mehl selbst holt und dabei den Zwischenhändler und die Rollfuhrspesen spart.