Herr Reiche beginnt, krampfhaft zu überlegen. Wenn man nun hier, direkt neben der Mühle — zum Beispiel da, wo jetzt der Wagen steht — eine Bäckerei errichtete, dann fielen nicht nur die Zwischenhändler und die Rollfuhrkosten, sondern auch das eigene Fuhrwerk fort.

Dieser Gedanke beschäftigte ihn eine ganze Woche lang, Tag und Nacht. Beim Gläserspülen greift er plötzlich nach irgendeinem Fetzen Papier und rechnet. Und wenn er des Nachts erwacht, so hält ihn die Grübelei stundenlang fest. Dabei sieht er nicht übernächtig aus, nein, im Gegenteil: prall und frisch. Seine Ohren sind stets rot angeglüht, seine Augen glänzen, nur in den Bewegungen scheint er sehr zerstreut.

Endlich faßt er einen Entschluß. Er zieht zum Erstaunen seiner Frau mitten an einem Wochentage seine besten Kleider an und geht fort. Zur Stunde des Arbeitsschlusses, als in der Kantine wieder viel zu tun ist, geht er, ohne eine Erklärung abzugeben, davon.

Er hat keinen weiten Weg. An der Föhrbrücke biegt er links ab zum Mühlengrundstück. Dort läßt er sich beim Mühlenbesitzer Pohl selbst melden. Er wird in das Privatkontor geführt, und seine Ohren brennen wie Feuer.

Michael Pohl fordert ihn — was er bei jedem Besucher zu tun pflegt, ob es nun der Kapitän oder der Kantinenwirt ist — mit einer stummen Handbewegung auf, im alten Sessel gegenüber seinem Schreibtisch Platz zu nehmen. Dann wartet er geduldig den Anfang der Rede ab. Er zeigt weder Neugierde noch Erstaunen, denn er ist schon an manchen eigenartigen Besuch, besonders aus dem Hafen, gewöhnt.

»Herr Pohl,« beginnt der Bäckermeister, »wenn ich so die Mühle sehe und die Getreidespeicher im Hafen und hier, da kommt mir so eine Idee — der Herr Pohl wollen es mir nicht verübeln, wenn es nicht recht ist. Hier ist das Getreide, sage ich mir, und das Mehl —«

Er bricht seine Rede ab, um die Hauptsache nachzutragen:

»Ich bin nämlich Bäckermeister von Beruf, aber nun verwalte ich die Kantine im Hafen —«

Diese Worte, die ihm als geschickte Umschreibung des Wortes »Kantinenwirt« gefallen, hatte er sich mit großer Mühe zurechtgelegt, und nun sind sie wirklich richtig und glatt herausgekommen. Er ist geradezu glücklich darüber, stellt sich noch regelrecht mit seinem Namen vor und hat den Mut, weiterzusprechen.

»— das Mehl, sage ich mir, und die Bäcker, die das Brot backen, müssen es erst in die Stadt fahren oder sie bekommen es von anderwärts oder vom Zwischenhändler — der Herr Pohl werden mich schon verstehen?«