»Ja, müssen wir darum den Mut verlieren?«

»Nein, gewiß nicht. Wir wollen es versuchen. Das wäre sicherlich ein großer Erfolg, unter so viel Köpfen eine Einigung zu erzielen. Es gälte fast mehr als die Verbilligung des Brotes.«

»Siehst du, da ist wieder der alte Schwärmer. Gott sei Dank! Ach, weißt du, ich bin ganz stolz, daß wir nun auch so ein großartiges Projekt haben.«

Michael Pohl nimmt ihren Kopf zwischen seine Hände und lacht.

»Man möchte es durchaus mit einem anderen aufnehmen!« Und mit liebevoller Resignation fügt er hinzu: »Daran erkenne ich doch wieder die Frau.«

Sie schreibt ihm seine Briefe und ist ihm ein guter Kamerad, aber sie verfehlt doch dabei ihren besten Daseinszweck.

Als der Bäckermeister am nächsten Tage wiederkommt, kann der Mühlenbesitzer ihn mit seinen Berechnungen empfangen. Er zieht seine tüchtige Mitarbeiterin zu den Beratungen hinzu, und sie beleuchten das Projekt von allen Seiten. Da wird nichts übersehen, und ihr Fachmann, der schwerfällige Bäckermeister, kann immer wieder neue Momente ins Treffen führen.

Zum Schluß sind sie dahin einig geworden, daß die beiden Männer zunächst eine Orientierungsreise unternehmen, um ähnliche Anlagen in anderen Städten zu besichtigen. Dann wollen sie sich an die zunächst Interessierten, die Bäckermeister, wenden.

Frau Reiche hat die Augen gehörig geöffnet, als ihr Mann ihr kurz und bündig erklärte, daß er eine Reise zu unternehmen gedenke. Es liegt ihm fern, auf ihre Fragen etwa zu erwidern: »Ich habe dich auch nicht gefragt, was du mit deinen Besuchen im Gefängnis bezweckst.« Nein, er läßt sie nun ihres Weges gehen und macht seine Reise für sich.

Nur daß er auch Fräulein Spandau keine Auskunft darüber geben kann, geht nicht ganz nach seinem Herzen. Sie sieht ihn mit ihren müden Augen stumm fragend an, und er sagt: »Auf Wiedersehen, Fräulein Spandau, wenn ich zurück bin, kann ich Ihnen vielleicht etwas Gutes erzählen.«