Das befriedigt sie nicht weniger, als wenn er ihr ein prächtiges Geschenk versprochen hätte.

Wem wäre nicht eine Veränderung am Kantinenwirt Reiche aufgefallen, als er von seiner Reise wieder heimgelangte? Er hatte eine andere Art, zu gehen und zu sprechen, und er stellte sich nicht mehr hinter den Schanktisch, — dieses Amt überließ er seiner Frau.

Aber das geschah beileibe nicht, weil er sich zu gut dafür dünkte, sondern einzig und allein, weil er keine Zeit dafür fand. Wenn er nicht seine geheimen Besprechungen mit dem Mühlenbesitzer hatte, so mußte er mit dem Innungsmeister konferieren oder in den Versammlungen Reden halten. Selbst vor dem Ersten Bürgermeister hat er eines Tages mit Mühlenbesitzer Pohl und einigen Abgeordneten der Bäckerinnung gesessen.

Er ist plötzlich ein geachteter Mann, man hört geduldig und ernst auf seine Worte. Und auch dem Mühlenbesitzer gegenüber hat er ein anderes Auftreten. Er sagt zum Beispiel: »Richtig, Herr Pohl, da haben Sie wieder recht.«

Wo ist der geduckte Kantinenwirt, der einmal sagte: »Der Herr Pohl wollen es mir nicht verübeln, wenn es nicht recht ist?«

Doch hier kann man wieder sehen, was der Prophet in seinem Vaterlande gilt. Hat Frau Reiche etwas von der Größe ihres Mannes verspürt? Nein, sie sagt: »Wie lange soll dieses Faulenzerleben noch dauern? Wenn das Konferenzen sind, mit denen du dich aufhältst, dann verwalte ich hier ein Hotel.«

Als der Streit in der Bäckerinnung so lebhaft geworden war, daß die Hilfe der Zeitungen angerufen wurde, da schreckte man nicht davor zurück, dem Bäckermeister Reiche vorzuwerfen, daß er nichts weiter als ein Kantinenwirt sei. Vom Mühlenbesitzer Pohl jedoch wußte man, daß seine Beteiligung beim Hafen seinerzeit abgelehnt wurde; man ist nicht geneigt, ihn nun an einer Brotfabrik profitieren zu lassen.

Wenn man keine sachlichen Bedenken finden kann, so gibt es der persönlichen genug.

Aber nun ist auch der Trotz in Michael Pohl erwacht. Er sagt zu Herrn Reiche: »Sie können solange in meiner Mühle arbeiten.« Und er bietet ihm einen Posten an.

»Was,« sagt Frau Reiche, »du willst eine Brotfabrik gründen? Hätte ich dir in deiner Bäckerei nicht die Brote verkauft, dann lägen sie heute noch da.« Sie hat noch immer keine Achtung vor ihrem Mann und ist nicht geneigt, ihren Platz in der Kantine zu verlassen.