Sie hat dagegen nichts einzuwenden und hört ihm auf dem weiten Wege mit großem Interesse zu, obgleich er zuletzt sehr verbittert und mutlos ist.
»Ach ja,« sagt sie zum Abschied, »wenn Sie es doch durchsetzen könnten! Wir brauchen zu Hause täglich ein Brot, das sind fünf Pfennig pro Tag und ein und eine halbe Mark im Monat. Sie glauben nicht, was das bedeutet, da wir alle von meinem Gehalt leben müssen.«
Ihr blasses Gesicht mit der dünnen unklaren Haut ist so vertrauensvoll zu ihm emporgewandt, daß es ihm wieder einen Ruck gibt, und er verspricht, nichts unversucht zu lassen.
Das sollte doch mit dem Teufel zugehen, denkt er auf dem Heimwege, wenn man denen nicht helfen dürfte, die es so dringend brauchen.
Er spricht noch einmal mit dem Mühlenbesitzer darüber, und sie fangen die Sache von einer anderen Seite an. Michael Pohl, der doch genug Lehrgeld gezahlt haben sollte, gibt wieder eine schriftliche Erklärung ab.
Sie wirkt nicht gleich wie der wunderbare Stab vor dem Zauberberg, aber dieser und jener läßt sich doch herbei, einen Blick auf das Dokument zu werfen und ein wenig darüber nachzudenken. Da soll nun die Bäckerinnung als Unternehmerin auftreten, und der Mühlenbesitzer will ihr die Mittel vorstrecken. Jeder Meister in der Stadt ist Teilhaber der großen Fabrik und hat schließlich auch eine Stimme ins Gewicht zu werfen.
»Wenn ich das gleiche verdiene und weniger Arbeit habe, so soll es mir recht sein«, meint nun der Bequeme, während der Arbeitsame befriedigt feststellt, daß man ihm trotzdem seine Tätigkeit läßt.
»Und wer sich das richtig überlegt, muß sich sagen, daß vom billigeren Brot mehr gegessen wird«, wirft Lagerverwalter Reiche in einer Versammlung ein. »Das Brot, das die eigene Familie ißt, fällt auch nicht unter den Tisch, es muß ebenso gerechnet werden, als ob es verkauft wird, und das sind fünf Pfennig für das Stück.«
In dieser Versammlung trägt er noch nicht den Sieg davon, aber als der Winter den Hafen wieder im Bann hält und auf dem Kanal vor der Mühle die Oberfläche glitzert und knackt, hat er endlich eine Abstimmung mit Stimmenmehrheit erreicht.