Er eilt in seinem Überschwang zur Mühle, mit der Absicht, den Mühlenbesitzer sogar aus dem Bett zu holen, um ihm die freudige Botschaft zu überbringen. Sie besitzen zwar noch lange keine Brotfabrik, aber sie haben die Einigkeit. Er weiß, wieviel das dem Mühlenbesitzer Pohl gilt.

Nun hätte er auch Lust, dem schmalen Fräulein Spandau zu sagen, daß sie in mindestens einem Jahr einundeinehalbe Mark monatlich sparen kann. Doch diese Freude muß er sich bis zum nächsten Morgen aufheben.

So frei und kräftig hat er sich lange nicht gefühlt, wie auf dem Heimweg von der Versammlung. Wenn er es recht überlegt, so hat ein Druck auf ihm gelastet, seitdem er in den Hafen kam.

Kurz vor der Föhrbrücke bemerkt er eine Frau, die mit wiegenden Hüften vor ihm hergeht und nicht viel Eile hat, vorwärtszukommen. Da sollte doch —! Wenn das nicht seine Frau ist!

Er findet es nicht übel, daß er ihr an diesem Abend noch begegnet. Man könnte der Madame gleich zeigen, was man für ein Kerl geworden ist, damit sie endlich einmal die richtige Meinung erhält.

Er ist nicht nachtragend. Nein, das kann niemand behaupten. Sie hat ihn nicht nur betrogen und obendrein verspottet, weil er nicht zu den Männern gehört, die deswegen einen Mord begehen, sie hat ihn auch um seinen Beruf gebracht und ihm den Rest seiner Selbstachtung genommen.

Aber nun sagt er »Guten Abend, Frau Reiche. Du hast anscheinend keine Lust, nach Hause zu gehen.«

»Ach, du bist's«, sagt sie. »Ich habe gehört, du willst dich von mir scheiden lassen.«

»Ich?« fragt er erstaunt. Auf diesen Gedanken war er bisher noch nicht gekommen, nun scheint er ihm nicht schlecht, ja er findet ihn plötzlich ausgezeichnet. Er muß unwillkürlich an Fräulein Spandau denken. Da könnte er für einen Menschen einstehen und ihm Freude bereiten, denn da wird alles dankbar angenommen. Ob sie wohl den Antrag eines Meisters in der größten Brotfabrik der Stadt ausschlagen würde?