Er streicht in stolzer Freude den Schnurrbart hoch. Nun ist er wieder ein Mann, der auf sich hält und auch bei den Frauen einen Stein im Brett hat.

Es ist ihm fast, als sähe selbst seine Frau ihn wieder wohlgefällig an.

»Nun, ich habe so etwas gehört. Wenn es dir recht ist, könnten wir ja darüber reden. Neulich ist ein Rechtsanwalt im Hafen gewesen, da habe ich die Gelegenheit wahrgenommen und ihn gefragt, was zu tun wäre.«

»So —« meint er. »Dann wirst du ja besser Bescheid wissen und kannst mir Unterricht erteilen.« Er nimmt die Sache von der lustigen Seite, und das ist fast etwas kränkend für eine Frau.

»Wir könnten gleich darüber sprechen,« schlägt sie vor, »dann ist die Sache abgemacht. Mein Bruder versieht die Wirtschaft, wie du gehört haben wirst. Wir können also hinaufgehen und alles in Ordnung bringen, wenn es dir recht ist.«

Wie zahm sie geworden ist, denkt Herr Reiche. Sollte sie etwa schon von der Versammlung gehört haben? Nun will er sich erst einmal das Vergnügen erlauben und ihr erzählen, was er für ein Mann ist.

»Ach, sieh einmal an«, sagt sie. »Was du nicht sagst. Wer hätte das für möglich gehalten? Darauf müssen wir von meinem selbstgemachten Kirschwasser trinken. Was meinst du dazu?«

»Hm, das wäre ja wie eine Feier. Aber da wir doch miteinander zu reden haben —« Das hätte er sich wahrhaftig im Traume nicht einfallen lassen, daß er noch einmal ein freier lediger Mann würde. Es gibt doch wirklich ganz einfache Gedanken, auf die man erst gestoßen werden muß. Was wird das für ein Spaß sein, wenn man zu Fräulein Spandau sagen kann: »Es gibt gewisse Männer, die einmal verheiratet waren

»Huh«, macht Frau Reiche fröstelnd. »Wie ist das schon wieder kalt!« Und sie hakt sich mit ihrem molligen Arm bei ihm ein, um sich zu erwärmen.

»Die Madame wird sich einen Schaden antun«, sagt er gutmütig spottend über diese Äußerung einer ungewohnten Vertraulichkeit.