Sie stößt ihn mit dem Ellenbogen an. »Jetzt, da wir uns scheiden lassen —« meint sie lachend.

Allmählich geraten sie in eine Stimmung hinein, in der sie alles lächerlich finden. Sie setzen sich in ihrem alten Wohnzimmer über der Kantine auf das Sofa, trinken von dem Kirschwasser und stoßen »auf eine glückliche Scheidung« an.

»Eigentlich,« sagt sie mit glucksendem Lachen, »wenn ich's mir überlege, warst du ein ganz guter Ehemann. Ja, man erkennt die Vorzüge erst, wenn es zu spät ist. Was meinst du wohl, wie ich daran gedacht habe, wenn ich hier so allein war?« Sie sieht ihn mit ihren feuchten Augen ermutigend an und rückt etwas näher.

Der Bäckermeister hat wieder ganz rote Ohren, als wäre er in der Backstube beim Ausholen der Brote.

»Es ist verteufelt heiß hier bei dir«, bringt er halberstickt hervor.

»Meinst du?« fragt sie, und sie sieht ihn dabei so komisch an, daß sie wieder beide lachen müssen. Sie fährt ihm mit ihren Händen ins Gesicht und sagt: »Fühl' nur, wie kalt sie sind.«

Er gibt keine Antwort darauf. Er hat vollkommen vergessen, daß er sich vornahm, den Mühlenbesitzer aus dem Bett zu holen und einem blassen schmalen Bureaufräulein zu roten Backen und einem glücklichen Lächeln zu verhelfen, er schnappt plötzlich nach den kühlen Fingern vor seinem Mund und lacht.

»Nein, Mann, bist du denn verrückt geworden?« fragt Frau Reiche. Aber er gibt jetzt erst recht keine Antwort mehr. —

So ein Binnenhafen an einem dunklen Wintermorgen ist wie eine verwunschene Stadt.

Der Wächter am Tore wird müde und wärmebedürftig. Er achtet darauf, daß seine Scheiben klar bleiben, denn sonst muß er das kleine Fenster öffnen oder vor die Tür seines winzigen Häuschens treten und die dunstige Wärme herauslassen.