Da spürt er einen kräftigen Schlag auf der Schulter, und ein herzlicher Händedruck rüttelt ihn wieder aus seiner Niedergeschlagenheit hoch.
Ja, nun sollen sie wirklich das Brot für die ganze Stadt backen.
»Aber das Schönste ist doch, daß sie einig geworden sind, — daß sie für einen guten Zweck und nicht für einen Profit einig geworden sind!« sagt der Mühlenbesitzer. Er beginnt, der Menschheit wieder seinen Kinderglauben zu schenken.
Nun gibt es zu tun! Donnerlot, was muß nun alles überlegt und eingeleitet werden. Ein Winter ist kurz, wenn man eine so große Sache bis zur Grundsteinlegung bringen will. Im Frühling schon soll mit dem Bau begonnen werden. — — —
Frühling im Hafen! Das ist wie Gesang. Ein stummes Dank- und Jubellied schwebt unter der blauen Kuppel des Himmels. Hier stehen zwar viele Gebäude, ein Turmhaus sogar, und hohe Kräne recken ihre schwarzen Arme auf, doch man kann sich an das Kopfende eines Hafenbeckens stellen und Wasser, Himmel, Erde sehen, soweit das Auge reicht. Diese drei waren am Anfang der Welt, und hier sind sie noch und beginnen ein neues Leben.
Steigst du aber bis in den zehnten Stock des Turms im Verwaltungsgebäude, so siehst du außerdem noch eine ganze große Stadt. Und dort drüben zieht sich ein silbernes Band. Das ist der Fluß dieser Stadt, an dem sie sich einstmals anbaute, weil es praktisch ist, diese Straße zu haben. Und da ist ein zweites Band. Das ist der alte Kanal. Und hier ein drittes: der Verbindungskanal.
Nun sind sie aus ihrer Ruhe erwacht. Fleißige Schleppdampfer schicken ihre schmalen Rauchsäulen zu den weißen Himmelswolken empor, und hinter ihnen kommen sie in langer Reihe: die braven dunklen Kähne mit ihren Schätzen im tiefen breiten Bauch.
Der Kapitän tritt aus der Tür und geht in einer ganz anderen Art über den Platz. Er stößt die Beine mit einer Lust in den warmen Tag hinein, daß man fast glaubt, die Gelenke knacken zu hören. Wie war er hier doch geschlichen mit seinem grauen Tuch um den Hals, in den Winterpaletot geduckt, und wenn er, von seinem Reißen geplagt, den Kopf drehen wollte, so ging es nicht, er mußte den ganzen steifen Körper wenden.
Nun reibt er die Hände und sagt »Guten Morgen, guten Morgen«, immer in einer anderen Tonart. Wenn die Natur ihre neuen lustigen Melodien singt, dann zieht auch der Mensch vielfältige Register.
Schwester Emmi hat zum erstenmal ein helles Waschkleid an und läuft auf ihren zierlichen Lackschuhen zu den eben angelangten Kähnen am Zollspeicher. Felix Friemann verfolgt sie mit seinen langen Beinen aus weiter Entfernung und ruft: »Schwester eins, Schwester eins!«