»Ja, sie kann sehr böse werden.«
»Als ich ihr dann aber klarmachte, daß ich zu Ihrer Pflege geholt sei, und sie fragte, ob sie denn nicht feststellen könne, daß ich nach Medizin rieche, erwiderte sie, nun wolle sie aufstehen und ihre Tochter pflegen.«
»Sie wollte mich pflegen?« Irmgard ist ganz glücklich darüber.
»Das sagte sie. Natürlich konnte sie sich nicht rühren, und dann sprach sie nicht mehr darüber. Einmal erzählte ich ihr, daß Sie bald aufstehen würden, aber sie gab mir keine Antwort. Doch etwas anderes hatte mich beängstigt, und ich sprach mit Herrn Pohl darüber.«
»Was war es?« fragt Irmgard ungeduldig. »Hat sie das Kind gehört? Sie haben doch nicht davon gesprochen?«
»Nein, es war ja verabredet, daß sie davon nichts erfährt. Aber sie sagte: ›Hört Ihr denn nicht, wie mein Michael schreit? Ihr laßt ihn liegen und kümmert Euch nicht um ihn.‹ Und das hat sie immer wieder geklagt, dabei zuckte sie, und ihr Gesicht verzerrte sich, als wollte sie aufspringen und nach dem Rechten sehen. Schließlich wurde sie sehr erregt, hat mich ausgescholten und gedroht, mich zu entlassen, wenn ich nicht besser für ihr Kind sorge.«
»Mein Gott,« flüstert Irmgard, »hat sie nicht danach verlangt, es zu sehen?«
»Das hat sie nicht. Aber ich dachte schon — ich weiß nicht, was Sie davon halten — ich dachte, solche Kranken sind durch Täuschungen manchmal zu heilen. Wenn man ihr z. B. das Kind wirklich —«
»Nein, nein, wollen Sie ihr mein Kind geben, dieser Kranken? Nein, das ist heller Wahnsinn!«
»Ich meinte es nur gut, denn es ist doch schließlich Ihre Mutter. Herr Pohl sagte, wenn Sie einverstanden wären, könnte man immer noch mit dem Arzt darüber sprechen«, gibt die Schwester verstimmt zurück.