»Ist das seine Ansicht gewesen?« Irmgard schließt die Augen und lehnt müde im Sessel. »Darüber muß ich erst nachdenken. Ich will die Mutter selbst gesehen und gesprochen haben«, flüstert sie.

»Gewiß, es war ja auch nur ein Vorschlag für später. Aber ich werde Sie jetzt verlassen, da kommt ein junger Mann durch den Garten, und das Mädchen ist ausgegangen.«

Irmgard glaubt, nur eine Sekunde allein gewesen zu sein, als die Schwester schon wieder zurückkommt und sagt: »Es war ein Rechtsanwalt Bernhard von der Hafengesellschaft, er wollte Herrn Pohl sprechen. Ich habe ihn ins Kontor hinübergeschickt.«

»Von der Hafengesellschaft —«, stammelt Irmgard, und sie sieht dem jungen Rechtsanwalt nach, wie er mit seiner Aktentasche durch den Garten geht und zur Mühle hinübersteuert.

Die Schwester hat das Zimmer wieder verlassen, und Irmgard verfolgt den Rechtsanwalt so lange, bis er in der Tür des Kontors verschwindet. Da wirft sie die Hände vor das Gesicht und schluchzt verzweifelt auf.

Sie hatte sich mit ihrem klaren Verstand einen so schönen Plan zurechtgelegt und kluge, vernünftige Worte gesprochen, aber beim ersten unmittelbaren Anstoß von außen her fällt ihr ganzes Kartengebäude zusammen, und sie ist nicht beherrschter und reifer als Schwester Emmi mit ihrem Temperament.

Hier über diesen Weg ist auch er gegangen, und sie hat ihm von dem gleichen Platz aus nachgesehen, wie er mit seinen langen Schritten fest und federnd über den knirschenden Kies marschierte und an der Gartenpforte zu ihr hinaufwinkte. Oder war es wegzuleugnen, daß sie wie zwei übermütige Kinder hier um diesen runden Tisch jagten, bis sie atemlos stehenblieb und ausrief: »Nein, du hast ja doch die längeren Beine.« Dann ließ sie sich rückwärts fallen und wurde aufgefangen. Er aber sagte mit seiner weichen Stimme, die sie einmal zu ihrem Erschrecken, als er beim Ausladen des Getreides seine Befehle gab, kaum erkannte: »Warum versuchst du nur immer wieder, mir davonzulaufen, da du mir doch nicht entgehen kannst?«

Nein, sie konnte ihm nicht entgehen, und hier denkt sie nun an ihn und findet keinen Weg, der von ihm fortführen könnte. —

Rechtsanwalt Bernhard hat sich im Bureau nach Herrn Pohl erkundigt. Man sagt ihm, daß er im Betrieb gesucht werden müsse, und läßt ihn im Privatkontor warten.

Dort zieht er seine Akten hervor und überlegt noch einmal die ganze aussichtslose Angelegenheit.