Seitdem Direktor Becker ihm seine persönlichen Erklärungen gegeben hat, sieht er erst ein, auf welcher lächerlichen Begründung dieser Prozeß aufgebaut werden soll.

Wie hier, so hatte er auch bei der Hafengesellschaft lange warten müssen, bis er von Joachim Becker empfangen wurde. Oh, er ist noch nicht der begehrte Mann, den man in seinem Anwaltsbureau aufsucht und unter großen Versprechungen bittet, sich mit dem berühmten Scharfblick eines Streitfalls anzunehmen. Sein junges Schreibfräulein wartet auf Arbeit, liest Romane und stichelt an einer Handarbeit in einer ganz impertinenten Weise. Er hat die sämtlichen Akten des Falles Hafengesellschaft kontra Pohl abschreiben lassen, aber die Schreibmaschine ist doch wieder zur Ruhe gekommen, und er muß das ersehnte Klappern vermissen.

Da ist es etwas anderes im Hause Friemann, wo Joachim Becker die Geschäfte der Hafengesellschaft besorgt. Auf den langen Korridoren ist ein Gehen und Kommen, und die jungen Damen mit ihren Schreibblocks und gespitzten Bleistiften jagen nur so zu den Türen hinein und heraus.

Er wird von betreßten Dienern in ein großes Wartezimmer geleitet, wo schon etwa ein Dutzend Männer sitzen, die den Hafendirektor sprechen wollen. Herr Gregor kommt herein, lässig und elegant, und sagt in seiner gedehnten Art, wobei er immer den Rücken ein wenig beugt:

»Guten Tag, Herr Doktor. Ja, Sie sind vorgemerkt, ich habe die Akten schon weitergegeben. Aber augenblicklich ist noch eine Konferenz.«

»So, haben Sie die Akten gehabt?« entfährt es dem Rechtsanwalt, der glaubte, mit einer ganz persönlichen und diskreten Angelegenheit betraut zu werden.

»Ja, das liegt alles bei mir«, bemerkt Herr Gregor nicht ohne Betonung, und er begrüßt einen neu hinzugekommenen Herrn.

»Sie dürften kein Glück haben,« sagt er zu ihm, »denn heute werden nur die Vorgemerkten empfangen. Der Kalender ist bis unten hin vollgeschrieben, und Sie stehen nicht mit darauf. Aber Sie können mit mir sprechen, ich will sehen, was sich machen läßt.«

Dann sucht er sich einen Herrn ganz außer der Reihe heraus und verschwindet mit ihm in seinem Zimmer.

Dieser Gregor ist dem Rechtsanwalt im höchsten Grade unsympathisch. Er gebärdet sich vor den Lieferanten, die sich um die Aufträge für den Hafen bemühen, als wäre er der Direktor selber, und man kann sich ausrechnen, welche Prozente dabei für ihn abfallen.