»Selbstverständlich, Herr Reiche, es drängt Sie niemand. Ich meinte nur, daß Sie selbst ein Interesse daran hätten, endlich geschieden zu werden.«

Der Rechtsanwalt geht mit einem Schmunzeln im Mundwinkel davon. Er hat ja nun schon mancherlei Scheidungsfälle in seiner jungen Praxis gehabt, aber so ein kurioser Mann ist ihm noch nicht vorgekommen.

Der Streik

Weil Rechtsanwalt Bernhard nun schon gewissermaßen mit dem Hafen beschäftigt ist, fährt er gleich zur Generaldirektion ins Stadtbureau, um noch eine andere Angelegenheit ins reine zu bringen. Er läßt sich bei Joachim Becker melden und geht sofort auf sein Ziel los.

»Nachdem nun mit Unterstützung der Stadt auf dem Pohlschen Grundstück die Brotfabrik errichtet wird, kann die Hafengesellschaft, an der die Stadt gleichfalls beteiligt ist, wohl nicht mehr gut den Prozeß weiterführen«, meint er einleitend.

»Richtig«, ruft Joachim Becker aus. »Sie kommen gerade zurecht. Ich habe mit dem Vorstand schon darüber gesprochen. Wir wollen den Prozeß beenden. Es hat sich inzwischen gezeigt, daß wir auch ohne dieses Stück arbeiten können. Wir dehnen uns nach Süden aus. Es wird da draußen ein neuer Güterbahnhof geplant, dann läßt es sich mit dem Gleisanschluß ganz gut machen.«

»Das ist ja sehr schön«, sagt der Rechtsanwalt erfreut. Wie gut es doch geht, denkt er, wenn man sich erst an einen anderen Gedanken gewöhnt hat. Man versäumt die Gelegenheit, eine unwürdige Feindschaft aus der Welt zu schaffen, nur weil man sich etwas in den Kopf gesetzt hat, das scheinbar nicht auszutreiben ist.

»Ja, wir wollen bis zum Herbst das dritte Hafenbecken fertigstellen. Inzwischen wird wohl auch das Gelände der Verhüttungsgesellschaft so weit im Preise gesunken sein, daß wir es zurückkaufen können. Im nächsten Frühjahr soll der Hafen unseren Plänen entsprechend vollendet sein. Dann wollen wir wieder ein Fest veranstalten.«

Joachim Becker lehnt sich in seinem Sessel zurück und sieht den Rechtsanwalt mit strahlenden Augen an. Nun, da er seinem Ziel so viel näher ist, sind seine Blicke steter, die Bewegungen ruhiger.