Damit wir allein nicht so schwach sind! Mit diesen Worten ist Joachim Becker geschlagen. Er hat es an sich selbst erfahren, wie es auf den inneren Menschen wirkt, wenn er allein bleibt und sich an niemand anschließt. Man verliert den Mut oder man wird hart. Vielleicht gibt es noch eine dritte Möglichkeit, aber dazu muß man sehr stark sein. Diese Männer hier, in deren Beruf der einzelne nichts auszurichten vermag, sind nur stark in der Gesamtheit.
Joachim Becker bekommt plötzlich Respekt vor dieser Geschlossenheit. ›Das ist es, was uns fehlt, uns Neunmalklugen‹, denkt er. ›Wir haben nicht ein Ziel, wir haben tausend Ziele, jeder ein anderes, und dabei vergessen wir das Wesentliche und zersplittern uns. Hier ist ein einender Gedanke: sich gegenseitig stützen und treu bleiben. Dafür bringen sie sogar persönliche Opfer.‹
Er hatte mit den alten Mitteln auffahren wollen: Entlassungen, Einstellung von Streikbrechern. Nun sagt er zum Kapitän:
»Was können wir da unternehmen?«
»Mit dem Arbeitgeberverband sprechen?« meint der Kapitän fragend.
»Wir dachten uns, daß es vielleicht nicht lange dauert,« wendet Karle Töndern ein, »denn was der Hafen bezahlen kann, dachten wir, warum sollen das die anderen nicht auch können?«
›Was sagst du da in deiner Einfalt?‹ denkt Joachim Becker. ›Du machst mir klar, daß ich der Ungetreueste bin, daß ich meinen Genossen in den Rücken fiel. Weil ich eingesehen habe, daß die Löhne zu niedrig sind, und mir mit unterernährten Arbeitern nicht gedient ist, habe ich für mein Teil gesorgt und die Löhne erhöht, anstatt zum Verband zu gehen und zu sagen: wir müssen es alle so machen, oder warum könnt ihr es nicht? Nun muß ich bei Gott noch von meinen geringsten Arbeitern lernen und ihnen nacheifern.‹
Hat er nicht vor einer halben Stunde erst gesagt: »Da müßte man mit Maschinengewehren dazwischenfahren?« Nun nimmt er demütig ihre Lehren entgegen und hat das eigenartige Gefühl, daß er trotzdem wieder ein Stück gewachsen sei.
Er reicht den Männern die Hand und sagt: »Wir wollen deswegen keine Feinde sein, ich will versuchen, ob ich etwas ausrichten kann.«
Da ziehen sie befriedigt ab und fürchten sich nicht einmal vor Lohnausfall und Sorgen.